Knäkente

Anas querquedula

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt mehr als 80 % der österreichischen Brutpopulation der Knäkente. Die Art ist sowohl als Brutvogel als auch vor allem im Frühjahr als Durchzügler häufig und gut an den Seewinkellacken beobachtbar.

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Merkmale

Die Knäkente ist eine kleine Schwimmenten-Art. Auffälliges Erkennungsmerkmal des Erpels im Prachtkleid ist der helle Überaugenstreif, der bis zum Nacken hinunter verläuft und sich deutlich vom rötlich/braunen Kopf sowie dem dunkleren Nacken deutlich abhebt. Auch im Schlichtkleid und beim Weibchen ist dieser Streifen, zwar etwas undeutlicher erkennbar, aber mit einem schwarzen Augenstreifen kontrastierend, ein gutes Bestimmungsmerkmal. Im Flug erkennt man die Knäkente an ihrem hellblau/grauen Spiegel im Vorderflügel.

Lebensräume

Die Knäkente besiedelt zur Brutzeit eutrophe, deckungsreiche und seichte Stillgewässer. Günstige Bedingungen bieten ihr in größeren Flachseen abgeschiedene vegetationsreiche Buchten und größere Röhrichtbestände, aber auch kleinere Teiche, Altwässer und sogar Wassergräben werden besiedelt. Das Nest wird allerdings nicht im Röhricht sondern zumeist auf trockenem Boden und oft weit (> 100 m) abseits der Wasserfläche in hohen Grasbeständen, unter Büschen, bisweilen aber auch in Weideflächen angelegt. Bei der Nahrungssuche ist die Knäkente stark an Seichtwasser gebunden, sie benötigt aber nicht wie die Krickente seicht überflutete oder nasse Schlickflächen sondern durch Wasserpflanzen stärker verkrautete, offene Wasserflächen. Die Knäkente nimmt sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung zu sich, vor allem Samen diverser Pflanzenarten aber auch Rhizomteile und grünes Pflanzenmaterial, weiters auch Wasserinsekten und deren Larven sowie Würmer und Crustaceen. An den Rastplätzen sind die Lebensraumansprüche der Knäkente ähnlich wie zur Brutzeit, sie ist sowohl an größeren Seen, an Teichen und Frühjahr oft auch in überschwemmten Acker- und Wiesengebieten zu finden.

Verbreitung

Global und national

Die Knäkente ist quer durch die Paläarktis hindurch verbreitet und besiedelt hier den Südrand der borealen, die gemäßigte, mediterrane sowie in Asien vor allem die Steppen- und Waldsteppenzone; der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt deutlich weiter südlich als bei der Krickente. In Europa reicht das Areal bis England, das südliche Skandinavien und Südfinnland. Österreich und damit auch das Neusiedler See-Gebiet liegen inmitten des europäischen Siedlungsgebiets. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 390.000 - 590.000 Paare geschätzt.

Wanderungen

Die Knäkente ist Weitstreckenzieher. Der Großteil der in Europa und Westsibirien brütenden Knäkenten überwintert in Westafrika, vom Senegal bis in den Tschad. Die Bestandsgröße dieser westafrikanisch/europäischen Population, die allerdings größtenteils aus sibirischen Vögeln bestehen dürfte, wurde zuletzt mit nicht weniger als 2.000.000 Individuen angegeben.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Mitte der 1930er Jahre war die Knäkente als Brutvogel sehr häufig, wenige Jahre später bei höheren Wasserständen dann  häufig. Zu Beginn der  1940er Jahre wurde sie ebenfalls als häufig beschrieben. Für die Mitte der 1960er Jahre wurde ein Bestand von mindestens 150 Brutpaaren angegeben.

Der Brutbestand der Knäkente lag im Seewinkel in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre relativ konstant bei 40 - 70 Paaren. Unmittelbar auf die beiden extremen Trockenjahre 1990 und 1991 mit sehr geringen Beständen kam es 1992 zu einem starken Bestandsanstieg auf über 100 Paare und 1997 wurden ca. 90 erfasst.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen des Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Die Knäkente ist im Neusiedler See-Gebiet einerseits Brutvogel, andererseits zieht sie im Frühjahr in größerer Zahl durch. Die Zähldaten der letzten Jahre zeigen, dass dem Gebiet auch als Mauserplatz größere Bedeutung zukommt.

Die trockenen Jahre ab 2001 bis 2005 brachten beim Brutbestand einen drastischen Einbruch auf nur 15 - 35 Paare. Seit 2006 herrschten im Seewinkel bzw. auch am Neusiedler See mit Ausnahme von 2007 und 2012 wieder relativ gute Wasserstände vor, die auch bei der Knäkente zu einer neuerlichen Zunahme auf 60 - 80 Brutpaare führten. Ausnahmen bildeten die trockenen Jahre 2007 und 2012, die Einbrüche auf ca. 35 bzw. nur ca. 15 Paare.

Am Neusiedler See ist die Knäkente in allen Teilen des Schilfgürtels ein verbreiteter Brutvogel der landseitigen Verlandungszone, der Brutbestand wurde Mitte der 1990er Jahre auf 75 - 150 Paare geschätzt.. Neuere Zahlen fehlen, aber es ist davon auszugehen, dass diese Zahl zu hoch gegriffen war und derzeit eher von 25 - 50 Paaren im Schilfgürtel auszugehen ist.

Die Knäkente ist im Seewinkel ein häufiger Durchzügler im Frühjahr. Der Heimzug beginnt mit Einsetzen der Eisschmelze Ende Februar/Anfang März und endet bereits Ende April. 1981 - 1992 lag der Mittelwert aller Zählungen vom Heimzug bei 65 Individuen, das Maximum waren 287 Exemplare am 14.3.1982. Im Gegensatz dazu wurden in den Jahren 2008-2014 im Durchschnitt 335 Exemplare gezählt, was grob einer Verfünffachung des Bestandes entspricht! Die Zahlen erreichten dabei immer Anfang April ihr Maximum und lagen um diese Zeit recht konstant zwischen 300 und 600 Exemplaren, Mitte März wurden hingegen nur 200 - 400 Exemplare gezählt.

Aus den Sommermonaten liegen aus den letzten Jahren Zählergebnisse vor, die eine gewisse regionale Bedeutung des Neusiedler See Gebiets als wahrscheinlichen Mauserplatz erkennen lassen. Erstmals wurden 2010 im August 700 Knäkenten festgestellt, seither liegen die Bestände im Juli und August regelmäßig zwischen 400 und 700 Individuen.

Der Herbstzug ist im Neusiedler See Gebiet nur sehr schwach ausgeprägt, bereits Ende September sind in der Regel alle Knäkenten aus dem Gebiet abgezogen.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt mehr als 80 % der österreichischen Brutpopulation, hat aber weder als Brutgebiet noch als Rastplatz am Heimzug internationale Bedeutung. Eine gewisse überregionale Bedeutung kommt dem Gebiet wahrscheinlich als Mauserplatz zu.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die Knäkente ist im Neusiedler See Gebiet einerseits ein relativ häufiger Brutvogel der landseitigen Verlandungszone, in der sie auch beobachtet werden kann.  Andererseits zieht sie im Frühjahr in größerer Zahl durch, dem Gebiet kommt auch eine größere Bedeutung als Mauserplatz zu. Dadurch ergeben sich gute Beobachtungsmöglichkeiten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Derzeit sind keine Gefährdungsfaktoren für die Rastbestände der Knäkente zu erkennen. Die nur mehr unregelmäßige Wasserführung und häufige Austrocknung von früher wichtigen Brutplätzen bereits während der Brutzeit stellt den wichtigsten Gefährdungsfaktor auf österreichischer Seite des Neusiedler See-Gebiets dar. Die Sicherung der Störungsfreiheit von Rast- und Brutplätzen sollte gewährleistet sein. Eine geeignete Managementmaßnahme wäre die Einrichtung weiterer Weideflächen an geeigneten Stellen am West- und Nordufer des Neusiedler Sees.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Scott, D.A. & P.M. Rose (1996): Atlas of Anatidae Populations in Africa and Western Eurasia. Wetlands International Publication No. 41, Wetlands International, Wageningen. The Netherlands. 336 pp.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Wetlands International (2012):. Waterbird Population Estimates, Fifth Edition. Summary Report. Wetlands International, Wageningen, The Netherlands.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.