Kornweihe

Circus cyaneus

Die Kornweihe ist von Oktober bis in den März als Wintergast im Neusiedler See Gebiet und kann während dieser Zeit gut in fast allen Teilbereichen des Gebiets jagend über Wiesen, Weide- aber auch Ackerflächen beobachtet werden.

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Merkmale

Bei erwachsenen Männchen sind Kopf, Hals, Oberseite des Rückens und der Flügel grau. Nur die Mittleren und Äußeren Handschwingen sind oben und unten deutlich einfarbig schwarz. Bei den Weibchen, die unauffälliger bräunlich gefärbt sind, fällt besonders der weiße Bürzel auf und der deutlich gebänderte Schwanz. Verwechslungen sind am ehesten mit der Wiesenweihe möglich, von der sich die Kornweihe aber durch die kräftigere Gestalt und die breiteren Flügel unterscheidet. Die schwarze Flügelbinde der männlichen Wiesenweihe, wie auch die bräunliche Fleckung der Decken auf der Unterseite, fehlen bei der männlichen Kornweihe. Auch bei Weibchen besteht Verwechslungsgefahr mit der Wiesenweihe, von der sie sich durch die kräftigere Gestalt und den deutlich breiteren Flügel unterscheiden. Kornweihen fliegen äußerst elegant und scheinen bei der Nahrungssuche mit leicht v-förmig angewinkelten Flügeln nahezu über den Feldern zu schweben.

Lebensräume

Die Kornweihe ist zur Zugzeit und im Winter hinsichtlich ihrer Habitatwahl flexibel, bevorzugt aber feuchte Wiesen, kurzgrasige Weiden und strukturreiche Ackerlandschaften. Im Winter sind höhere Schneelagen limitierend, da sie den Zugang zur Beute erschweren, da die vergleichsweise energieintensive Flugjagd bei stark reduzierter Beuteverfügbarkeit nicht mehr effizient durchgeführt werden kann. Flächenmäßig haben Ackerbau-Gebiete mit hohem Brachenanteil aufgrund ihrer hohen Mäusedichten die größte Bedeutung. In einer groß angelegten Untersuchung in Ackerlandschaften im östlichen Niederösterreich und im Nordburgenland (inkl. dem Seewinkel) brachte einen stark positiven Zusammenhang zwischen dem Brachenanteil und dem Auftreten der Kornweihe im Winter: Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Kornweihen war auf Brachen 14mal höher als ohne Brachen; allerdings werden von den Kornweihen zum Bodenschutz eingesäte Winterbegrünungen eher gemieden. Ein positiver Zusammenhang bestand mit den offenbar ebenfalls mäusereichen Stoppelfeldern.

Verbreitung

Global und national

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile der nördlichen Paläarktis, von Irland und Nordwestspanien bis Kamtschatka, im westlichen Europa ungefähr vom Polarkreis bis Nordwestspanien, und dann weiter südlich bis in die Ukraine, nördlich in die Mongolei und Nordostchina. In Europa brütet die Kornweihe in guten Beständen auf den Britischen Inseln, auf der Iberischen Halbinsel, in Frankreich und in Skandinavien. Weiters kommt sie in geringer Zahl in verschiedenen Staaten Mitteleuropas vor. Im Osten ist sie vom Baltikum und Weißrussland ostwärts zu finden.

Wanderungen

Die Kornweihe ist in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes Zugvogel, im Süden ihres Areals wird sie aber als Strich- oder Standvogel beschrieben. Die Überwinterungsgebiete liegen von West- und Mitteleuropa über den Mittelmeerraum bis nach Nordafrika und dem arabischen Raum. Im Neusiedler See Gebiet treffen die ersten Vögel spätestens Mitte September ein, einzelne Vögel sind in manchen Jahren auch schon deutlich früher zu beobachten. Der Frühjahrsdurchzug und Abzug der Überwinterer zieht sich bis in den April hinein, sehr späte Beobachtungen gelingen vereinzelt noch in der ersten Mai-Hälfte.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren bezeichnete R. Zimmermann die Kornweihe als regelmäßigen Überwinterer, führt aber auch eine ganze Reihe von Beobachtungen aus der Brutzeit an, die damals starken Brutverdacht aufkommen ließen. In den frühen 1950er Jahren wurde die Kornweihe als „häufiger Wintergast“ bezeichnet, sie soll damals sogar „der häufigste Raubvogel zur Winterszeit überhaupt“ gewesen sein. Quantitative Erhebungen wurden erstmals in den frühen 1980er Jahren durchgeführt und Mitte der 1990er Jahre wurde eine Zusammenfassung aller im Zeitraum 1980 - 1993 systematisch gesammelten Daten veröffentlicht, dies ist die aktuellste verfügbare Quelle zur Situation der Art im Vogelschutzgebiet. Bei großräumigen Bestandserhebungen im Seewinkel und im Hanság in den Wintern 1981 - 1989 wurden zwischen zwei und 30 Kornweihen gezählt, die kontrollierte Fläche war dabei allerdings stark unterschiedlich und schwankte zwischen 140 und 430 km². Die mit diesen Daten errechneten Siedlungsdichten bewegten sich zwischen 1,3 und 9,5 Exemplaren/100 km². Die Unterschiede zwischen den Jahren sind im Seewinkel in etwa gleich groß wie im Gebiet Parndorfer Platte/Heideboden in den Jahren 2001 - 2007, allerdings lagen die Dichten in letzterem Gebiet mit 5 - 58 Kornweihen/100 km² sehr viel höher. In den 1980er Jahren wurden Schlafplätze aus dem Schilfgürtel des Neusiedler Sees bei Weiden, von den Zitzmannsdorfer Wiesen, aus der Hölle, dem Sandeck und dem Neudegg bekannt, an den Lacken existierten Schlafplätze an der Langen Lacke und am Darscho.

Aktuelle Erhebungen

In den letzten 15 Jahren wurden im Seewinkel keine quantitativen Untersuchungen zum Vorkommen der Art durchgeführt. Die Verteilung von 380 Nachweisen der Kornweihe im Neusiedler See Gebiet aus den Jahren 1991 - 2005 zeigte deutliche Schwerpunkte in den offenen Wiesen- und Hutweidebereichen (Zitzmannsdorfer Wiesen, Gebiet Lange Lacke, Sandeck, Gebiet um Apetlon). Die besonders hohe Zahl an Nachweisen an einigen Lacken (Lange Lacke, Illmitzer Zicksee) ist auch durch die hier sehr hohe Präsenz von BeobachterInnen beeinflusst. Ob die Dichten überwinternder Kornweihen im Seewinkel derzeit im Vergleich zu den 1980er Jahren höher liegen, könnte nur durch neue Bestandserhebungen geklärt werden.

Bedeutung des Vorkommens

Der Neusiedler See scheint zwar weniger dicht von überwinternden Kornweihen genutzt zu werden wie die nördlich angrenzenden Gebiete auf der Parndorfer Platte und am Heideboden, doch zählt er zusammen mit dem Hanság nichtsdestotrotz zu den wichtigsten Winterquartieren der Art in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Im Nationalpark können die im Winter jagenden Kornweihen relativ leicht beobachtet werden. Mit etwas Glück sind sie, teilweise in großer Zahl, zur Abenddämmerung, beim Flug zu den Schlafplätzen ins Schilf zu sehen. Am besten gelingt dies, von den Aussichtstürmen der großen Viehweiden im Seevorgelände aus.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Eine Intensivierung der Landwirtschaft und der Verlust extensiv genutzter Flächen und Stilllegungen würde wohl zu einem Rückgang der Beutetiere führen und damit eine Verschlechterung der Nahrungssituation im Winter, als auch am Zug bedeuten. Weiters geht sicherlich von der Greifvogelverfolgung ein Gefahrenpotential aus. Auch die zunehmende Verbauung der Landschaft mit Windrädern und Hochleitungsmasten ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Schutzmaßnahmen wie die Ausweitung von Stilllegungsflächen und die Extensivierung der Landwirtschaft, fördern die Lebensraumeignung des Gebiets für die Kornweihe im Winter und am Durchzug. Weiters ist eine strengere Kontrolle der Schonzeiten für Greifvögel zu fordern und im Fall von Übertretungen eine angemessene Bestrafung.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. & B. Wendelin (2008): Der Bestand von Greifvögeln auf der Parndorf Platte und im Heideboden (Nordburgenland) in den Wintern 2001/2002-2006/2007. Vogelkundl. Nachrichten aus Ostösterreich 19: 1-10.

Frühauf, J. & G. Bieringer (2004): Der Einfluss von ÖPUL 2000 auf die winterliche Raumnutzung von Greifvögeln und anderen Vogelarten in der Ackerbauregion Ostösterreichs. Im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

Laber, J. (1995): Zum Wintervorkommen der Kornweihe (Circus cyaneus) im Seewinkel/Burgenland. Egretta 38: 13-21.