Kranich

Grus grus

Der Zugweg der Kraniche hat sich in den letzten Jahren verlagert, so dass in den letzten 10 Jahren um die Monatswende Oktober / November regelmäßig Trupps von mehreren hundert Vögeln im Neusiedler See Gebiet beobachtet werden können. Geeignete Beobachtungsgebiete sind dabei vor allem die Viehweiden im Bereich des Seevorgeländes.

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Merkmale

Der Kranich ist ein sehr großer Vogel mit langem Hals, der im Flug ausgetreckt gehalten wird. Sein Gefieder ist hauptsächlich blaugrau, zur Brutzeit färbt sich die Oberseite rostbraun. Kopf und Hals schwarz und weiß gefärbt. Der Scheitel ist rot. Der in viele Sprachen namensgebende Kontaktruf ist trompetend „grruu, gruuu“. Die braunhalsigen und deutlich kleineren Jungen sind am Herbstzug noch im Familienverband und rufen hoch piepsend „tschirp“. Durch ihre auffälligen trompetenartigen Rufe sind Kraniche auch im Flug unverwechselbar und leicht von den Reihern, Störchen und Löfflern zu unterscheiden.

Lebensräume

Als Brut- und Nahrungsrevier kommen für den Kranich insbesondere Feuchtgebiete der Niederungen sowie Hoch- und Niedermoore in Frage. In Mitteleuropa bevorzugt die Art Verlandungszone von Seen, Teichen oder Flüssen, Nieder- und Hochmoorflächen sowie Feuchtwiesen. Außerhalb der Brutzeit werden offene Flächen wie Wiesen und Äcker nach Nahrung abgesucht. Rastplätze auf dem Zug haben oft lange Traditionen (z.B. Rügen, Hortobagy). Die Schlafplätze während der Zugzeit liegen in sumpfigen bzw. überschwemmten Gelände oder im seichten Wasser von Seen oder (Fisch)Teichen.

Verbreitung

Global und national

Der Kranich besiedelt die boreale und gemäßigte Zone des nördlichen Eurasiens von Westeuropa bis ins westliche Ostsibirien. Früher reichte die Verbreitung im Süden bis Spanien, Oberitalien, an den Nordrand der Alpen und bis ins Karpatenbecken. Heute verläuft die Südgrenze durch Nord- und Mitteldeutschland, wobei es isolierte Vorkommen im nördlichen Balkan, in Kleinasien, in Transkaukasien und in der Mongolei gibt. Prinzipiell brütet die Art in Tieflagen, erreicht aber z.B. in Norwegen Höhen bis 1.300 m, in Armenien sogar 2.200 m. In Europa brütet der Kranich weit verbreitet im mittleren und nördlichen Fennoskandinavien). Die Südgrenze des geschlossenen Brutgebiets geht durch Mittel- und Norddeutschland. Die Grenze verläuft weiter östlich durch Polen, Weißrussland und durch die Ukraine. Mehr oder weniger isolierte Brutvorkommen sind in Dänemark, in Frankreich, in England und im nördlichen Balkan zu finden. Die nächsten Brutvorkommen zu Österreich liegen in Tschechien.

Wanderungen

Der Zug über den europäischen Kontinent verläuft über mehrere verschieden Zugwege und kann grob in zwei hauptsächliche Routen geteilt werden. Eine westeuropäische Route wird von den skandinavischen, deutschen, polnischen und ostbaltischen Populationen genutzt. Etwa drei Viertel dieser Tiere überwintern in Spanien, der Rest in Frankreich, Portugal und Marokko, wobei einige wenige in Mitteleuropa bleiben. Die zweite Route - die baltisch-ungarische - wird von den in Finnland, im Baltikum, in Weißrussland sowie in Russland brütenden Populationen benutzt. Dieser Zugweg führt die Tiere über Ungarn, das ehemalige Jugoslawien, Albanien und Süditalien nach Tunesien, Algerien und Libyen. Neben diesem westlichen Schenkel des baltisch-ungarischen Zugwegs dürfte noch ein östlicher existieren, dessen Rastplätze und Zugrouten weniger gut bekannt sind. Die westeuropäische Zugroute wird von etwa 100.000, die baltisch-ungarische von 80.000 Tieren benutzt. Wie aus Ringablesungen hervorgeht, können Individuen zwischen den Zugrouten wechseln. In den letzten 10 - 15 Jahren ist im Zuge der raschen Bestandszunahme der europäischen Kranich-Population eine weiterer - sozusagen zwischen westlicher und östlicher Route intermediärer - Zugweg entstanden, der über Oberitalien nach Nordafrika führt und Österreich auf breiter Front von Nordost nach Südwest quert. War noch vor 20 Jahren jede Beobachtung von Kranichen in Österreich eine große Besonderheit, so zieht die Art heutzutage zwischen Mitte Oktober und Anfang Dezember in großer Zahl durch Österreich durch.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Sowohl R. Zimmermann als auch K. Bauer und Mitarbeiter konnten für den österreichischen Teil des Neusiedler See Gebiets keine konkreten Beobachtungen aus dem 20. Jahrhundert anführen. In den 1970er Jahren wurde der Kranich nur in drei Jahren beobachtet, in den 1980er Jahren gelangen dann immerhin schon fast jedes Jahr Nachweise. Als regelmäßigen Durchzügler kann man den Kranich jedoch erst ab dem Beginn der 1990er Jahre bezeichnen. Ein erster größerer Trupp mit 34 Exemplaren wurde am 1.11.1992 gemeldet. 1994 wurden zwischen 19.10. und 6.11. mehrfach kleinere Gruppen, von 4-20 Kranichen festgestellt und 1995 hielt sich erstmals ein größerer Trupp von ca. 100 Vögeln, Anfang November, im Neudegg auf. In den fünf Jahren von 1996 bis 2000 wurden zwar alljährlich mehrfach Kraniche beobachtet, doch betrafen diese immer nur kleinere Gruppen von höchstens fünf Exemplaren.

Aktuelle Erhebungen

Der Zugweg der Kraniche hat sich in den letzten Jahren verlagert, so dass in den letzten 10 Jahren regelmäßig jeden Herbst Trupps von mehreren hundert Vögeln durchs Gebiet ziehen. Durchziehende Kraniche werden im Frühjahr vor allem von Mitte März bis Ende April festgestellt, es handelt sich dabei immer um einzelne Vögel oder kleine Gruppen von maximal fünf Individuen, die zum Teil auch länger (mehrere Wochen) im Gebiet verweilen. Außerhalb der Zugzeiten „verirren“ sich bisweilen einzelne Vögel zwischen Mai und September ins Neusiedler See Gebiet, dabei könnte es sich um herumstreifende jüngere Vögel handeln, die in Mitteleuropa (z. B. in Ostungarn) in kleinen Gruppen übersommern. Der eigentliche Herbstzug setzt dann in der zweiten Oktober-Woche ein und erreicht seinen kurzen Höhepunkt in der letzten Oktober- und ersten November-Woche. Danach klingt der Zug langsam ab, noch im Dezember waren in den letzten Jahren regelmäßig Kraniche im Seewinkel zu sehen. Im Jänner und Februar halten sich in der Regel keine Kraniche im Gebiet auf.

Der Heimzug ist allerdings zahlenmäßig sehr viel schwächer und es werden nur Trupps von maximal 20 - 50 Exemplaren gemeldet. Ab 2001 erreichten jedes Jahr im Herbst größere Kranich-Trupps den Seewinkel. 2001 waren es 20 - 40 Exemplare, 2002 hielten sich im Seewinkel von Anfang November bis Mitte Dezember durchgehend verschiedene Kranich-Trupps mit bis zu 220 Vögeln auf. Ein starker Durchzug wurde dann wieder 2004 zwischen 3.11. und 11.11. gemeldet. Die größte Gruppe in diesem Zeitraum, waren 250 Exemplare beim Sandeck. 2007 wurden bis zu 100 Kraniche im Seewinkel gesehen, 2008 waren es öfters 100-150 Exemplare, maximal aber sogar 1.000, Anfang November. 2009 konnten bis zu 500 Kraniche festgestellt werden, 2010 lagen die Maxima wieder bei nur 100 - 200 Vögeln. 2011 war dann das bislang stärkste Durchzugs-Jahr, mit regelmäßig 400-600 Individuen von Mitte Oktober bis Anfang November, und einer Gruppe von ca. 900 Exemplaren, die Anfang November in der Graurinderkoppel übernachtete.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet ist derjenige Teil Österreichs, in dem der Kranich am regelmäßigsten auftritt.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Kraniche können im Nationalpark nur zu Durchzugszeiten beobachtet werden. Besonders im Herbst von Mitte Oktober bis Mitte November zeihen größere Trupps durch das Gebiet und übernachten auf den großen Viehweiden im Seevorgelände.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Rast- und Übernachtungsplätze im Seevorgelände sollten störungsfrei bleiben.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.