Die Lacken des Seewinkels

Salzlacken findet man im europäischen Binnenland nur im Seewinkel und in Zentralungarn. Auf anderen Kontinenten gibt es zum Teil sehr große derartige Gewässer (Kasachstan, Mongolei, Australien, Etoscha-Pfanne), die Gesamtzahl solcher Gebiete bleibt dennoch eher gering. Die Erhaltung dieser einzigartigen Lebensräume stellt somit eine besonders wichtige Aufgabe dar. Zwischen dem Ostufer des Neusiedler Sees und dem Hanság liegen noch rund 45 Lacken, die wie kein anderes Landschaftselement den Charakter des Seewinkels prägen.

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Stinkerseen

Woher stammen diese alkalischen Gewässer in ihren seichten Mulden?

Für die das Ostufer des Sees begleitenden Lacken (Stinkersseen, Illmitzer Zicklacke...) nimmt man an, dass ihre Entstehung mit dem Seedamm zusammenhängt. Sedimente aus dem Seeboden wurden hier durch Strömung und Eisstoß abgelagert. Eine Lücke im Seedamm führte dann zur Auswaschung einer landseitig gelegenen Senke - die Basis für eine Lackenmulde.

Lange Lacke

Die Lacken des zentralen Seewinkels (Lange Lacke, Wörthenlacken...) sind wesentlich älter als der See selbst: Nach der heute anerkannten Theorie von Riedl bildeten sich während der Würm-Eiszeit (ca. 115.000 bis 10.000 vor heute) im Seewinkel große Eislinsen, sogenannte Pingos. Dadurch wurde auf diesen Flächen eine Schotterablagerung durch die Donau verhindert. Nach dem Abschmelzen dieser Eislinsen blieben seichte Mulden, die sich mit Wasser füllten.

Vor etwa 13Mio Jahren war unser Gebiet noch von Meer bedeckt. Durch die Ablagerung gewaltiger Sedimentmassen erfolgte ein Rückzug dieses Meeres nach Osten. Nach Husz bildete sich während der letzten Zwischeneiszeit bei aridem Klima ein salzführender Bodenhorizont. Von diesem gelangt mit aufsteigendem Grundwasser (Kapillarwirkung) Salz an die Oberfläche. Das periodische Austrocknen der Seewinkellacken trägt zu ihrer Erhaltung bei. Der Lackenboden ist nach unten hin dicht, steht das Grundwasser von unten an diese dichte Schicht an wird durch die Kapillarwirkung Salz in das System Salzlacke nachgeliefert. Reißt diese Verbindung, durch Absenkung des Grundwasserspiegels, ab süßt die Lacke aus und droht zu verschwinden. Da sich alle Lacken in chemischer Hinsicht und durch unterschiedliches Bodensubstrat unterscheiden, liegt in der Erhaltung der einzelnen Lacken ein wichtiges Naturschutzziel.

Sodalacke im Spätsommer

Zwischen den Extremen

Von hohen Wasserständen im Frühjahr bis zur Austrocknung im Sommer reichen die Wasserstandsschwankungen. Abhängig sind diese von Niederschlag und Verdunstung. Die Salzkonzentration im Lackenwasser steigt bei sinkendem Wasserspiegel. "Sodaschnee" am trockenen Lackenboden besteht hauptsächlich aus Natriumkarbonat (Na2CO3), es kommen aber auch Glaubersalz (Na2SO4), Bittersalz (MgSO4) und Kochsalz (NaCl) vor.

Sodalacke im Frühsommer

Nicht nur wechselnder Wasserstand und Salzgehalt, auch das Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht machen Lacken kurz vor dem Austrocknen zu extremen Lebensräumen: Schwankungen im Bereich von 18 und 38°C sind dann die Regel.

Im Wechsel der Jahreszeiten schwanken diese salzhaltigen Gewässer zwischen 70 cm Tiefe und völliger Austrocknung. Vor allem die Niederschläge im Herbst und Winter gleichen die starke Verdunstung durch Wind und Sonne aus. Der Großteil der ursprünglich mehr als 100 Lacken ging durch menschliche Eingriffe verloren, einige sind verlandet.

Lackenprofil und Pflanzenbewuchs

Einzigartige Flora...

Die Salzlacken des Seewinkels haben eine einzigartige Vegetation hervorgebracht. Pflanzen die an die salzigen Bedingungen angepasst sind (Halophyten) haben hier gegenüber anderen Gewächsen einen entscheidenden Vorteil. So wachsen im Randbereich dieser Gewässer Pflanzenarten, deren nächste Verwandte an den Meeresküsten zu finden sind. Die Pannonische Salzaster, der Queller, die Salzmelde oder die Salzkresse sind hier zu finden.


Groß-Salzmelde (Suaeda pannonica)

Andererseits kann ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Schilfbestand an einer Lacke auch als Hinweis auf Aussüßung sein. Ist der Salzgehalt einet Lacke niedrig, ist der Konkurrenzvorteil der Salzpflanzen dahin, "Allerweltspflanzen" können einwandern, es bildet sich eine Humusschicht und die Lacke verschwindet.

...und Fauna

Typische Bewohner der stark salzigen Lacken sind Säbelschnäbler und Seeregenpfeifer, die hier ihr einziges Brutvorkommen in Österreich haben. Die seichten Gewässer und ihre Uferbereiche dienen aber einer Vielzahl von Vögeln als Nahrungsrevier. Im Gebiet brütende Rotschenkel, Uferschnepfen und Kiebitze kommen genauso an die Lacken wie durchziehende Kampfläufer, Alpenstrandläufer, Sichelstrandläufer oder Sandregenpfeifer um nur einige wenige zu nennen. Möwen und Seeschwalben suchen hier ebenso nach Fressbarem wie Reiher. Je nach Wasserstand spielen die Gewässer auch für verschiedene Entenarten und Gänse eine Rolle. Sind die Wasserstände hoch eignen sich die Lacken auch als Brutplatz für Zwerg- und Schwarzhalstaucher.