Löffelente

Anas clypeata

Im Neusiedler See Gebiet herrschen für die Löffelente optimale Lebensraumbedingungen, daher ist sie hier auch in vielen Jahren die häufigste brütende Entenart und nimmt auch zu den Zugzeiten nach der Krickente den zweiten Platz in der Häufigkeitsskala ein. Das Neusiedler See Gebiet beherbergt die einzige österreichische Brutpopulation und hat auch als Rastplatz am Heim- und Wegzug internationale Bedeutung.

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Merkmale

Namensgebend für die Löffelente ist der auffällig breite, bis zu 7 cm lange, mit Lamellen ausgestattete Schnabel, mit dem sie als ausgeprägter Nahrungsspezialist Kleintiere aus der obersten Wasserschicht abseiht. Schon durch diese einzigartigen Schnäbel sind beide Geschlechter leicht von anderen im Seewinkel vorkommenden Entenarten zu unterscheiden. Die Männchen sind im Prachtkleid an ihrem kontrastreichen Gefiederfärbung zu erkennen, dass einen dunkelgrün befiederten Kopf, eine weiße Brust aufweist die sich deutlich von den rotbraune Farbpartien Körperseiten abhebt.

Lebensräume

Die Löffelente brütet an eutrophen seichten Stillgewässern mit gut ausgebildeter Ufervegetation, ist aber teils auch in Niedermoorgebieten zu finden solange es dort offene Wasserflächen gibt. Wichtig sind an die Brutgewässer angrenzende, größere Grünlandgebiete, denn die Löffelente legt ihr Nest wie die Knäkente nicht im Röhrichtgürtel, sondern an offenen, übersichtlichen Stellen an. Die Brutplätze können in Europa in Feuchtwiesen, in kurzgrasigen Steppen- und Weideflächen sowie in Mooren liegen. Die günstigsten Bedingungen bieten ihr größere Grünlandgebiete, in die kleine, gut bewachsene Teiche und Seen oder langsam fließende Gewässer eingelagert sind. Am Zug und im Winterquartier benötigt die Art größere, eutrophe und daher nahrungsreiche Flachgewässer, wo sie in größeren Trupps auftritt.

Verbreitung

Global und national

Die Löffelente besiedelt ein weitläufiges Areal in Eurasien und Nordamerika und kommt hier als Brutvogel in der Waldzone, in der gemäßigten Zone sowie in den Steppen- und Wüstenzonen vor. In Europa ähnelt ihre Verbreitung stark der der Knäkente mit der sie auch ähnliche Lebensraumansprüche teilt. Im Norden reicht ihr Areal auf den Britischen Inseln und in Skandinavien etwas weiter nördlich. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 170.000 - 210.000 Paare geschätzt.

Wanderungen

Löffelenten in den nördlichen Teilen des Areals sind Weitstreckenzieher und überwintern überwiegend im Mittelmeerraum und in jährlich stark schwankender Zahl auch in den großen westafrikanischen Feuchtgebieten vom Senegal bis zum Tschad. Wie bei den meisten anderen Schwimmenten sind diskrete Populationen nicht abgrenzbar, daher wurden anhand der Winterquartiere drei Flyway-Populationen definiert, wobei das Neusiedler See-Gebiet wohl zur schwarzmeer/mediterranen Population gehört, deren Bestand mit 450.000 Individuen angegeben wird. In einer aktuellen Zusammenstellung wurde im Gegensatz dazu die nordwesteuropäische Population auf Zentraleuropa erweitert – was die östlichen Teile Mitteleuropas betrifft, dürfte diese Zuordnung allerdings nicht zutreffen.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Mitte der 1930er Jahre war die Löffelente als Brutvogel selten, wenige Jahre später bei höheren Wasserständen dann häufig. Zu Beginn der  1940er Jahre wurde sie ebenfalls als häufig beschrieben. Für die Mitte der 1960er Jahre wurde ein Bestand von mindestens ca. 80 Brutpaaren angegeben.

Der Brutbestand der Löffelente lag im Seewinkel Mitte der 1980er Jahre relativ konstant bei 150 - 170 Paaren. Unmittelbar nach den beiden extremen Trockenjahren 1990 und 1991 mit sehr geringen Beständen kam es 1992 zu einem starken Anstieg auf ca. 200 Paare. Während aus den Jahren 1993 - 1996 keine Daten vorhanden sind wurden im feuchten Jahr 1997 wie schon 1992 ca. 200 Paare erfasst.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See-Gebiet wurden 1981-1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen des Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Die Löffelente ist im Neusiedler See Gebiet einerseits Brutvogel, andererseits zieht sie im Frühjahr und im Herbst in größerer Zahl durch. Die Zähldaten der letzten Jahre zeigen, dass dem Gebiet auch als wahrscheinlichem Mauserplatz größere Bedeutung zukommt.

Die trockenen Jahre ab 2001 bis 2005 brachten einen kontinuierlichen Rückgang von rund 100 Paaren (2001) auf nur mehr ca. 40 Paare (2005), damit war im Vergleich zu 1992 und 1997 ein Rückgang um 80 % festzustellen. Obwohl sich die Bestandssituation in den darauf folgenden Jahren wieder langsam auf ca. 100 Paare im Jahr 2006 und 120 - 135 in den Jahren 2010 - 2011 verbesserte, gab es im sehr trockenen Jahr 2012 wiederum einen Einbruch auf nur ca. 30 Paare. Im Jahr 2013 mit sehr guten Wasserständen konnten allerdings wiederum ca. 125 Paare erfasst werden. 2014 wurde wiederum nur ein deutlich  kleiner Brutbestand von 51-81 Paaren erfasst. Nur 2012 gab es noch weniger Paare.

Im Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist die Löffelente ein seltener Brutvogel der landseitigen Verlandungszone, über den Brutbestand ist sehr wenig bekannt, er wurde 2005 auf 20 - 60 Brutpaare geschätzt.

Die Löffelente ist im Seewinkel ein sehr häufiger Durchzügler im Frühjahr. Der Heimzug setzt in der ersten Woche des März ein und dauert bis Ende April. In den Jahren 1981 - 1992 lag der Mittelwert aller Zählungen vom Heimzug bei 152 Individuen, das Maximum waren 373 Exemplare am 15.3.1992. Im Gegensatz dazu wurden in den Jahren 2008 - 2014 im Durchschnitt 1.487 Exemplare gezählt, was grob einer Verzehnfachung des Bestandes entspricht! Die Zahlen erreichten dabei immer Anfang April ihr Maximum und lagen um diese Zeit recht konstant zwischen 2.000 und 3.500 Exemplaren, Mitte März wurden hingegen nur 750 - 1.000 Exemplare gezählt (siehe Abb.).

Aus den Sommermonaten liegen aus den letzten Jahren Zählergebnisse vor, die eine gewisse regionale Bedeutung des Neusiedler See-Gebiets als wahrscheinlichen Mauserplatz erkennen lassen. Im August 2010 wurden 700 Löffelenten festgestellt, seither liegen die Bestände im Juli und August regelmäßig zwischen 400 und 700 Individuen, ausnahmsweise wurden am 22.6.2013 sogar 1.181 Exemplare gezählt.

Der Herbstzug kann in Abhängigkeit von den Wasserständen wie bei den anderen Entenarten unterschiedlich stark ausfallen. In den Jahren 1981 - 1992 wurden im November im Durchschnitt 143 Löffelenten gezählt. In den Jahren 2006 - 2013 waren es hingegen im September im Mittel 2.078, im Oktober 1.981 und im November 2.391. Die Maximalzahlen am Wegzug erreichten bei guten Wasserständen an See und Lacken 2.000 - 3.000 Exemplare, 2010 wurden im Oktober und November sogar 5.000 - 5.500 erreicht (siehe Abb.). Bei der Löffelente ist es also seit den 1980er Jahren zu einer Verzwanzigfachung der Rastbestände gekommen!

Im Südteil des Neusiedler Sees konnten in den 1980er Jahren in einigen Jahren hohe Zahlen festgestellt werden. Eine Zählung im November 1981 ergab 1.500 Exemplare, im Oktober 1986 waren es 700 und im Oktober 1987 sogar 2.300. Bei den aktuellen Erfassungen zwischen 2006 und 2013 konnten ähnliche Zahlen von 1.100 - 1.800 Löffelenten festgestellt werden, 2008 waren es allerdings nur 400 und im Oktober und November 2009 wurden keine Löffelenten auf der freien Seefläche im Südteil festgestellt.

Die Beweidungsflächen am landseitigen Rand des Neusiedler Sees zwischen dem Neudegg und Illmitz beherbergten in den letzten Jahren immer zwischen 60 und 80 % der Rastbestände sowohl im Sommer als auch am Frühjahrs- und Herbstzug. Sie sind daher von zentraler Bedeutung als Lebensraum für die Löffelente im Neusiedler See Gebiet und haben offensichtlich auch die starke Bestandszunahme im Vergleich zu den 1980er Jahren ermöglicht.

Langfristig gesehen hat im Seewinkel in den letzten 10 Jahren damit eine Verlagerung sowohl der Brut- als auch der Rastbestände weg von den Lacken hin zu den Seerändern stattgefunden. Vor allem die großen, ehemals dicht besiedelten Lacken wie der Illmitzer Zicksee und die Lange Lacke weisen heute nur mehr einzelne Brutpaare auf; andere noch vor 15 Jahren gut besetzte Gebiete wie z. B. der Kirchsee wurden gänzlich aufgegeben. Bei der Löffelente sind daher deutlich negative Einflüsse durch das berüchtigte „Lackensterben“ zu vermuten.

Bedeutung des Vorkommens

Im Neusiedler See Gebiet herrschen für die Löffelente optimale Lebensraumbedingungen, daher ist (oder war) sie hier auch die häufigste brütende Entenart und nimmt auch zu den Zugzeiten nach der Krickente den zweiten Platz in der Häufigkeitsskala ein. Das Neusiedler See Gebiet beherbergt die einzige österreichische Brutpopulation und hat auch als Rastplatz am Heim- und Wegzug internationale Bedeutung. Eine überregionale Bedeutung kommt dem Gebiet wahrscheinlich als Mauserplatz zu, die Verteilung und relative Bedeutung solcher Plätze ist für Mitteleuropa bislang jedoch noch nicht dargestellt worden daher ist auch eine Einstufung der diesbezüglichen Bedeutung des Gebiets derzeit nicht möglich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Am besten zu beobachten sind die Löffelenten bei der Nahrungssuche, im eutrophen Seichtwasser in den Lacken und an den landseitigen Seerändern.  Die großflächige Beweidung im Bereich zwischen Neudegg und Podersdorf hat hier noch zusätzlich weitere hervorragend geeignete Lebensräume geschaffen, wo sich die Löffelenten oft in großen Scharen sammeln.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

für die Rastbestände der Löffelente sind derzeit keine Gefährdungsfaktoren zu erkennen. Für ihren Fortbestand im Seewinkel ist vor allem ist die Sicherung der Störungsfreiheit von Brutplätzen wichtig. Die nur mehr unregelmäßige Wasserführung und häufige Austrocknung, teils von früher wichtigen Brutplätzen bereits während der Brutzeit sowie deren Degradierung stellt einen akut wirksamen Gefährdungsfaktor auf österreichischer Seite des Neusiedler See Gebiets dar.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Scott, D.A. & P.M. Rose (1996): Atlas of Anatidae Populations in Africa and Western Eurasia. Wetlands International Publication No. 41, Wetlands International, Wageningen. The Netherlands. 336 pp.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Wetlands International (2012):. Waterbird Population Estimates, Fifth Edition. Summary Report. Wetlands International, Wageningen, The Netherlands.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.