Löffler

Platalea leucorodia

Mit derzeit ca. 90 Brutpaaren beherbergt das Neusiedler See-Gebiet ca. 1 % des europäischen Brutbestandes und ist daher als Brutplatz für den Löffler von internationaler Bedeutung. Zu beobachten ist die Art am besten bei der Nahrungssuche an den Lacken, z. B. am Darscho oder auf den überschwemmten Wasserflächen der großen Viehweiden im Seevorgelände.

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Merkmale

Namensgebend für den Löffler ist der löffelartig verbreitete Schnabel, der schwarz gefärbt ist und nur bei adulten Vögeln eine gelbliche Spitze aufweist. Die ansonsten weißen Löffler haben eine gelbliche Kehle, tragen auf der Vorderbrust im Brutkleid ein schwaches gelbliches Halsband und haben am Kopf eine lange Federhaube, die bei Erregung aufgerichtet werden kann. Sie sind im Flug von den gleichfarbigen Seiden- und Silberreihern leicht zu unterscheiden, da sie den Hals nicht s- förmig eingezogen haben sondern gerade gestreckt halten.

Lebensräume

Der Löffler besiedelt flache Stillgewässer des Tieflandes. Typische Bruthabitate sind in Europa die Mündungen größerer Flüsse, ausgedehnte Flusstäler und größere Sumpfgebiete. Die eigentlichen Brutplätze liegen in Mitteleuropa in ausgedehnten Schilf-Röhrichten. In Österreich brütet die Art nur im Schilfgürtel des Neusiedler Sees. Löffler bauen hier ihre Nester ausschließlich in ungemähte Altschilfbestände und bevorzugen Bereiche lichteren Schilfs, die sich durch eine horstartige Struktur auszeichnen; die Wassertiefe im Koloniebereich lag 1981 und 1982 zwischen 0,5 und einem Meter. Zur Nahrungssuche wurden am Neusiedler See nach Untersuchungen in den frühen 1980er Jahren bis zu 20 km weit entfernte Gebiete aufgesucht. Während der Löffler in den 1970er und 1980er Jahren zur Nahrungssuche regelmäßig die Lacken und Überschwemmungsflächen des Seewinkels nutzte, werden zumindest seit Ende der 1990er Jahre überwiegend im Schilfgürtel des Sees gelegene offene Wasserflächen (Plänken) aufgesucht.

Die Nutzung der Nahrungsgebiete durch den Löffler wurde 1998 - 2001 im Rahmen eines Nationalpark-Forschungsprojektes untersucht, seit 2002 werden diese Arbeiten im Zuge des Nationalpark-Vogelmonitorings fortgesetzt. Es zeigt sich, dass die Nutzung des Schilfgürtels durch den Löffler jahrweise in unterschiedlicher Intensität erfolgt. So waren es 2002 92 % aller ausfliegenden Löffler, die im Schilfgürtel landeten, 2003 und 2004 86 %  bzw. 83 %, 2000 hingegen nur 61 % und 2006 sogar nur 49%.

Verbreitung

Global und national

Das Brutgebiet des Löfflers erstreckt sich von Westeuropa und Westafrika quer durch Asien östlich bis Ostsibirien und den Indischen Subkontinent. In Europa ist die Art ein sehr lokaler Brutvogel mit größeren Brutvorkommen in der Großen Ungarischen Tiefebene, am nördlichen Balkan und im Schwarzmeer-Gebiet sowie zwei isolierten Brutgebieten in Südspanien und in den Niederlanden. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 8.900 - 15.000 Paare geschätzt.

Wanderungen

Löffler sind Zugvögel, die Winterquartiere der Brutvögel Mitteleuropas liegen im Mittelmeergebiet (v. a. in Tunesien und im Nildelta), ein Teil dieser Vögel zieht dem Nil folgend bis in den Sudan. Mitteleuropäische Brutvögel ziehen nach Ringfunden über Italien nach Tunesien oder über Griechenland nach Ägypten ins Nildelta.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Der Löffler brütet in schwankender Zahl auf der Großen Schilfinsel im Südteil des Neusiedler Sees. In den 1930er Jahren wurde der Löffler als Brutvogel des West- und Südufers erwähnt. Für das Jahr 1932 berichtete Bernatzik sogar über den Fund einer Löffler-Kolonie mit 300 Nestern! Nach Koenig gab es 1938 am Westufer mehrere Löffler-Kolonien mit zusammen gegen 100 Nestern und im Jahr darauf fand Goethe „viele kleinere Kolonien“, deren größte allein 40 Nester umfasste. In den frühen 1940er Jahren war der Löffler im Neusiedler See-Gebiet „ziemlich häufig“, genauere Bestandsangaben waren aber durch die Unbegehbarkeit vieler Kolonien durch den damals ungewöhnlich hohen Wasserstand nicht möglich.

Nach dem 2. Weltkrieg konnte erstmals im Jahr 1950 wieder eine intensivere Bearbeitung durchgeführt werden, in diesem Jahr gab es nördlich von Oggau eine auf 200 bzw. 200 - 250 Brutpaare geschätzte Kolonie. 1951 wurde der Brutbestand des Westufers auf mindestens 150 Paare geschätzt. 1952 wurde bei Purbach eine Kolonie mit mindestens 200 Horsten gefunden. Der Brutbestand für den Beginn der 1950er Jahre wurde auf 200 - 250 Brutpaare geschätzt.

1960 fand eine erste Zählung aus der Luft per Hubschrauber statt, die einen Bestand von 179 Brutpaaren ergab. In den Jahren 1970 bis 1976 wurden alljährliche Zählungen (ebenfalls per Hubschrauber) durchgeführt. Diese Erhebungen ergaben für 1971 und 1972 noch hohe Zahlen von 245 bzw. 235 Brutpaaren. 1973 halbierte sich der Bestand dann innerhalb eines Jahres und blieb in den folgenden Jahren auf diesem deutlich niedrigerem Niveau. 1975 wurden nur mehr 75, 1976 nur mehr 110 Brutpaare gezählt. Der drastische Einbruch in den frühen 1970er Jahren fällt zusammen mit der weitgehenden Aufgabe aller Brutkolonien am Westufer des Sees. Wurden hier 1970 und 1971 noch 145 bzw. 135 Paare gezählt, fiel der Bestand 1972-1974 auf 20-50 und betrug 1975 nur mehr fünf Paare. Seit 1985 ist das Brutvorkommen auf eine Kolonie auf der Großen Schilfinsel beschränkt.

Seit 1981 erfolgen alljährliche Bestandskontrollen per Flugzeug zuerst durch die Biologische Station Illmitz, später durch den Nationalpark zusammen mit BirdLife Österreich. Der Löffler-Bestand des Neusiedler Sees ist im Verlauf der 1980er Jahre weiter zurückgegangen, in den sehr trockenen Jahren 1990 und 1991 konnten keine Bruten nachgewiesen werden. Die Befürchtung, dass dies das Ende der Bruttradition der Art am See wäre, bewahrheitete sich zum Glück nicht, denn 1992-1997 konnten dann jeweils wieder 10 - 25 Brutpaare erfasst werden. 1998 - 2000 bewegte sich der Brutbestand mit 63 - 77 Paaren sogar wieder auf dem Niveau der frühen 1980er Jahre.

Aktuelle Erhebungen

In den trockenen Jahren 2001 und 2002 kam es allerdings zu einem neuerlichen Rückgang auf 40 und 46 Paare, im ebenfalls trockenen Jahr 2003 brüteten hingegen 81 Paare, der höchste Bestand seit 20 Jahren.

Zwischen 2004 und 2007 fiel die Zahl der Brutpaare auf nur 38 - 47 und damit wieder auf das niedrige Niveau der späten 1980er Jahre. Ab 2008 kam es dann mit steigendem Wasserstand zu einer neuerlichen Zunahme des Löffler-Bestandes, 2010 und 2011 wurden erstmals seit 35 Jahren wieder über 100 Brutpaare gezählt. Im Mittel lag der Bestand zwischen 2008 und 2013 bei 92 Brutpaaren.

Bedeutung des Vorkommens

Mit derzeit ca. 90 Brutpaaren beherbergt das Neusiedler See-Gebiet ca. 1 % des europäischen Brutbestandes und ist daher als Brutplatz für den Löffler von internationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Der Löffler brütet in mit Reihern gemischten Kolonien auf der großen Schilfinsel im südlichen Teil des Schilfgürtels, in der Kernzone des Nationalparks. Zu beobachten ist er am besten bei der Nahrungssuche auf den Lacken, z. B. im Darscho oder auf den überschwemmten Wasserflächen der großen Koppeln, die dem Schilfgürtel vorgelagert sind, wie auf der Illmitzer Warmblutkoppel, der Apetloner Graurinderkoppel, der Wasserstätten und  im Sandeck. Nachdem die Jungvögel ausgeflogen sind, ab ca. Mitte Juli, fischen die Löffler gerne gemeinsam in größeren Trupps.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Als derzeit einzigen wichtigen Einflussfaktor auf die Bestandsentwicklung am Neusiedler See sind sehr niedere Wasserstände und die damit verbundene Austrocknung weiter Teile des Schilfgürtels zu nennen. In den Jahren 1990 und 1991 hat eine ausgeprägte Trockenphase sogar zum vorübergehenden Erlöschen des Brutbestandes geführt.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Bernatzik, H.A. (1941): Vogelparadies. Vogelparadiese und Menschen in europäischen Rückzugsgebieten. Koehler & Voigtländer, Leipzig. 88 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1999): Die Brutkolonien der Reiher und Löffler am Neusiedler See – Bestandsentwicklung, Nistökologie, Naturschutz. Ökol. Vögel 21: 269-329.

Goethe, F. (1941): Beobachtungen am Neusiedler See und in dem Gebiet der Salzlacken. J. Orn. 89: 268-281.

Koenig, O. (1939): Wunderland der wilden Vögel. Verlag Gottschammel und Hammer Wien. 99 pp.

Koenig, O. (1952): Ökologie und Verhalten der Vögel des Neusiedlersee-Schilfgürtels. J. Orn. 93: 207-289.

Koenig, O. (1961): Neue Wege zur Erforschung der Reiherkolonien des Neusiedler Sees. Bgld. Heimatbl. 22: 15-22.

Müller, C. Y. (1983): Die Bedeutung von Altschilfbeständen für die Löffler und Reiher am Neusiedlersee. Egretta 26: 43-46.

Müller, C.Y. (1984): Bestandsentwicklung und Zugverhalten der Löffler (Platalea leucorodia L.) im österreichisch-ungarischen Raum. Egretta 27: 45‑67.

Müller, Ch. Y. (1987): Nahrungs- und Ruhehabitate des Löfflers Platalea leucorodia am Neusiedlersee (Österreich). Ornithol. Beob. 84: 237-245.

Nemeth, E. & P. Grubbauer (2005): Zur aktuellen Bestandssituation der Reiher und Löffler des Neusiedler See-Gebietes. Egretta 48: 1-18.

Nemeth, E., P. Grubbauer, M. Rössler & A. Schuster (2004): Ökologische Untersuchungen an den Reihern und Löfflern des Neusiedler See-Gebietes. Habitatwahl. Nahrungsökologie, Bruterfolg, Populationsentwicklung und Schutz der in Kolonien brütenden Schreitvögel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 92: 1-22.

Seitz, A. (1934): Beobachtungen in den Reiherkolonien am Neusiedler See Frühling 1933. Beitr. Fortpflanzungsbiol. Vögel 10: 228-229.

Seitz, A. (1935): Ornithologisches vom Neusiedler See. Kócsag 8: 29-33.

Seitz, A. (1937): Von den Reiherkolonien des Neusiedlersees (Österreich) 1935. Beitr. Fortpflanzungsbiol. Vögel 13: 13-22.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.