Mittelmeermöwe

Larus michahellis

Die Mittelmeermöwe ist ein sehr seltener Brutvogel des Neusiedler See Gebiets. Übersommernde Tiere sind aber recht zahlreich. Sehr spektakulär sind die großen Ansammlungen, die abends in den Monaten August-Oktober an der Langen Lacke zu beobachten sind. Zehntausend und mehr übernachtende Vögel sind um diese Zeit keine Seltenheit.
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Merkmale

Die Mittelmeermöwe ist eine gelbbeinige Großmöwe und wurde lange als Unterart der Silbermöwe, später als Unterart der damals sogenannten „Weißkopfmöwe“ angesehen, die dann vor rund 15 Jahren in Mittelmeer- und Steppenmöwe aufgeteilt wurde. Die Mittelmeermöwe ist kleiner als die sehr ähnliche Silbermöwe. Bei adulten Vögeln im Brutkleid sind der Kopf, der Hals, der Nacken, die gesamte Unterseite und der Schwanz rein weiß. Der gelbe Schnabel zeigt einen ausgedehnten roten Fleck. Die Iris ist zitronengelb, das Auge von einem roten Ring umgeben. Die Beine sind lebhaft gelb gefärbt. Die Oberseite ist hellgrau und geringfügig dunkler als bei adulten Silbermöwen. Die Flügeloberseite ist ebenfalls hellgrau. Das schwarze Muster der Handschwingen ist deutlich ausgedehnter als bei Silber- und Steppenmöwen. Adulte Vögel im Winterkleid tragen eine feine, braune Strichelung auf Scheitel und Ohrdecken.

Vögel im Jugendkleid sind insgesamt graubraun mit einem weißlichen Kopf und einer dunklen Augenregion. Die Federn der Oberseite sind dunkelbraun mit hellen Säumen, so dass der Rücken, die Schultern sowie im Flug die Flügeloberseite geschuppt wirken. Die Schwingen sind schwarzbraun. Die Schirmfedern tragen dunkelbraune, im distalen Teil der Feder eichenblattähnlich ausgerandete Zentren und breite, helle Säume. Bürzel und Schwanzwurzel sind weiß, nur leicht von dunklen Federn durchsetzt und kontrastieren zu der schwarzbraunen Endbinde. Brust und Flanken sind fleckig graubraun, der Bauch und die mittleren Unterschwanzdecken jedoch weißlich. Der Schnabel ist schwarz, die Beine sind fleischfarben und die Iris ist dunkel.

Lebensräume

Die Mittelmeermöwe brütet vorwiegend an felsigen Küsten oder auf, vorgelagerten Fels- und Sandinseln, auf Schlickinseln oder im hohen Bewuchs von Lagunen, Salinen, Flussmündungen oder Dünen. Regional brütet die Art auch auf Dächern innerhalb von Küstendörfern, Städten und Hafengebieten, so in Istanbul und Bulgarien und seit 2008 auch in der Steiermark. Im Binnenland werden sehr oft Kies- und Sandbänke von Binnengewässern besiedelt. Die Brutvögel des Neusiedler See Gebiets nutzen bisweilen vom Menschen konstruierte Bauwerke wie hölzerne Jagdplattformen oder Futterplätze für Enten.

Außerhalb der Brutzeit ist die Mittelmeermöwe hauptsächlich in Küstengebieten zu finden, wo sie auf dem offenen Meer oder in Häfen oder an Stränden nach Nahrung sucht. Im Binnenland, das die Art vornehmlich entlang der Flüsse erreicht, ist sie zumeist auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, aber auch an Gewässerufern und vor allem auch an Mülldeponien zu finden.

Verbreitung

Global und national

Die Brutverbreitung der Mittelmeermöwe reicht von den Atlantischen Inseln (Azoren, Madeira und Kanaren) und den Küsten der Iberischen Halbinsel und der Biskaya ostwärts. Sie umfasst große Teile der Mittelmeerküsten, nördlich bis zur Adria und südwärts bis Tunesien, die Ägäis, Kreta und Zypern und erstreckt sich bis ins Schwarze Meer, wo die Mittelmeermöwe im Westteil und von dort die Donau hinauf sowie an der Südostküste vorkommt. Kleinere Brutvorkommen gibt es Nordwestafrika und am Ostrand des Mittelmeers. Auch im nördlichen West- und Mitteleuropa gibt es, teils im Binnenland gelegene, zerstreute, kleinere aber auch größere Kolonien oder Einzelbruten, so in der Schweiz, in Süddeutschland, in Österreich, Polen, der Slowakei, den Niederlanden und in Großbritannien.

Wanderungen

Die Mittelmeermöwe ist ein Stand- oder Strichvogel, der außerhalb der Brutzeit in großen Teilen Europas zu finden ist. Umherstreifende Vögel versuchen dann vermutlich günstige Nahrungsplätze zu finden und zugleich der Konkurrenz zu anderen Großmöwenarten aus dem Wege zu gehen. Ein Teil der Jungvögel streift nach der Brutzeit weit umher, die übrigen verbleiben in der Nähe der Brutplätze oder ziehen ins Binnenland. Das Neusiedler See Gebiet wird nach der Brutzeit überwiegend von Brutvögeln der Adria frequentiert. Altvögel suchen nach der Brutsaison günstige Mauserplätze auf und überwintern später in der Nähe der Brutgebiete.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren wurde betont, dass „Silbermöwen“ mit einer gewissen Regelmäßigkeit durch das Neusiedler See Gebiet ziehen. In den Jahren 1951 - 1953 beschrieben Bauer und Mitarbeiter das Vorkommen der Mittelmeermöwe folgendermaßen: es „war zu vermuten, dass es sich bei den hier so regelmäßig in der Zeit von Ende Juli bis Mitte Oktober erscheinenden Silbermöven vor allem um Angehörige der mediterranen Rasse michahellis Naum. handelt“. Seit den 1950er Jahren haben sich die Zahlen der nach der Brutzeit ins Gebiet einwandernden Mittelmeermöwen beständig vergrößert, bis sie die heutigen Größenordnungen erreicht hatten.  Der zeitliche Verlauf dieser Bestandszunahme ist allerdings nur unzureichend bekannt.

Die Mittelmeermöwe brütete 1987erstmals im Neusiedler See Gebiet am Illmitzer Zicksee im Seewinkel. Im selben Jahr gab es auch einen  Brutversuch an der Langen Lacke. Erst 1991 kam es dann im Seewinkel wieder zu einer erfolgreichen Brut, seither brütet die Art mehr oder weniger regelmäßig im Gebiet.

Aktuelle Erhebungen

Der Brutbestand wird derzeit nicht gezielt erhoben. Einzelne Paare brüten unregelmäßig an den Lacken, und wenige Paare finden sich im Schilfgürtel auf künstlich aufgeschütteten Inseln, Schlammablagerungen oder auf den Dächern und im Inneren von (oft bereits zusammengebrochenen) Jagdkanzeln. Der einzige durchgehend besetzte Brutplatz liegt, soweit bekannt nördlich des Seedamms Mörbisch. Den im Seewinkel übersommernden und rastenden Mittemeermöwen wurde erst in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Zählungen in den Jahren 2011 - 2014 ergaben im Frühjahr (April und Mai) Zahlen von 1.500 - 2.500 Individuen. Im Sommer und Herbst ist die Mittemeermöwe in großer Zahl zwischen Anfang August und Ende Oktober im Seewinkel vorhanden. 2013 und 2014 wurden erstmals einige Schlafplatzzählungen durchgeführt, die folgenden Ergebnisse erbrachten: 2013 7.747 am 2. 8. und 11.550 am 7.9., 2014 5.300 am 16.8., 6.770 am 30.8., 13.000 am 20.9. sowie 8.515 am 11. Oktober. Das Maximum dürfte also nach diesen ersten Ergebnissen im September erreicht werden.

Bedeutung des Vorkommens

Obwohl seit den ersten österreichischen Bruten 1987 einige neue Brutplätze bekannt wurden, ist das Vorkommen im Neusiedler See Gebiet das beständigste und größte. Der Herbst-Schlafplatz an der Langen Lacke ist der bei weitem größte der Art in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die wenigen Brutvögel des Schilfgürtels fallen so gut wie nie auf. Im Frühjahr wird der Obere Stinkersee als Tagesrastplatz genutzt, hier können die, zu dieser Jahreszeit anwesenden Vögel im ersten, zweiten und dritten Sommerkleid in aller Ruhe im Detail und aus nächster Nähe studiert werden. Sehr spektakulär sind dann die großen Ansammlungen, die abends in den Monaten August-Oktober an der Langen Lacke zu beobachten sind. Zehntausend und mehr übernachtende Vögel sind um diese Zeit keine Seltenheit.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Für die Mittelmeermöwe sind aktuell keine Gefährdungsfaktoren bekannte, die zu einer Bestandsabnahme führen oder führen könnten.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. (1991): Die ersten Brutnachweise der Weißkopfmöwe (Larus cachinnans michahellis) in Österreich und ihre Brutverbreitung im Binnenland Mitteleuropas. Egretta 34: 1-15.

Pfeifhofer, H.W., W. Stani, M. Weißensteiner & S. Zinko (2013): Der erste Brutnachweis der Mittelmeermöwe, Larus michahellis (Naumann 1840), für die Steiermark im Jahr 2008 und die weitere Entwicklung des Bestandes. Vogelkundl. Nachr. aus Ostösterreich 24: 19-24.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.