Nachtigall

Luscinia megarhynchos

Das Vorkommen der Nachtigall im Neusiedler See Gebiet ist, bezüglich der großflächigen Siedlungsdichte sicherlich das wichtigste in Österreich. Zwischen Mitte April und Mitte Mai ist der laute Gesang der Nachtigall entlang von Baum- und Gebüschreihen überall zu hören. Möglichkeiten die Art auch zu sehen ergeben sich am ehesten in den frühen Morgenstunden.
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Merkmale

Die Nachtigall ist oberseits warm rotbraun, die Unterseite ist gräulich und der Schwanz auffällig rötlich-braun. Die Brust der Nachtigall ist im Gegensatz zur Zwillingsart, dem Sprosser, ungefleckt; die Beine sind rosa. Der Gesang der Nachtigall steht für „schönen“, als wohltönend empfundenen Vogelgesang schlechthin. Er ist überaus komplex, besteht aus Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppeltöne, mehrfach wiederholten Pfeiftönen und dem „Schluchzen“, das den Abschluss einer Strophe bildet. Unverpaarte Männchen singen nachts anhaltend und sind dann sehr auffällig, da schon aus großer Distanz hörbar.

Lebensräume

Die Nachtigall brütet in unterholzreichen Laubmischwäldern, in Auwäldern mit reichhaltiger, dichter Strauchschicht, in Kieferbeständen mit belaubter Unterschicht, auch in der offenen Agrarlandschaft, dort häufig in Windschutzstreifen, die eine dichte und hohe Strauchschicht aufweisen, ebenso in Feldgehölzen, in dichten Hecken und größeren Buschbeständen, verwilderten, naturnahen Parkanlagen, oder in verwilderten Friedhöfen und Hausgärten. Der geschlossen Wald wird zumeist nur an den Rändern besiedelt. Die optimalen Lebensräume der Nachtigall liegen in dichten, flächigen Strauchbeständen, deren Boden von einer Falllaubdecke bedeckt sein muss, in der die Nachtigall nach Insekten suchen kann. Und es muss zumindest stellenweise auch eine dichte Krautvegetation vorhanden sein, die als Neststandort erforderlich ist. An die Bodenfeuchtigkeit werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Die Nachtigall besiedelt im pannonischen Klima sowohl trockene Gebiete, kommt aber genauso an  feuchten Standorten (wie z. B. Flussniederungen) vor, sofern diese alle Lebensraumansprüche erfüllen. Eine Baumschicht ist zumeist vorhanden, kann aber durchaus fehlen; der Kronenschluss sollte muss aber jedenfalls so locker sein, dass genug Licht durchkommt, dass sich Strauch- und Krautschicht ausbilden können.

Verbreitung

Global und national

Das Areal der Nachtigall zieht sich von Westeuropa inklusive Südengland und Nordafrika durch Mittel-, Süd und Osteuropa nach West- und Zentralasien, wo in Westchina der östliche Rand des Verbreitungsgebiets erreicht wird. Im Norden erreicht die Nachtigall die Nordsee, in Osteuropa verläuft die Arealgrenze durch Polen, die Ukraine und Südrussland. Östlich schließt sich das Verbreitungsgebiet des Sprossers an. Europa beherbergt 4.200.000 - 12.000.000 Brutpaare. Sehr große Brutpopulationen von jeweils mehr als 100.000 Brutpaaren gibt es in allen Mittelmeerländern inklusive Frankreichs.

Wanderungen

Die Nachtigall ist ein Langstreckenzieher, die europäischen Brutpopulationen  überwintern in Afrika südlich der Sahara. Als Zugvogel ist die Nachtigall in Österreich nur von Mitte April bis in den September hinein anzutreffen.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

Anfang der 1940er Jahre wurde die Nachtigall als häufiger Brutvogel bezeichnet, am Ostufer des Sees kam die Art damals allerdings nur spärlich vor. Auch in den frühen 1950er Jahren wurde sie noch als „häufiger Brutvogel am West- und Nordufer des Sees“ eingestuft. Die Nachtigall muss damals stellenweise in sehr hohen Dichten vorgekommen sein, Bauer und Mitautoren beschreiben ihre Häufigkeit folgendermaßen: „Bei mehreren Besuchen des Neusiedler Waldes im Mai und Juni 1951 war sie dort unstreitig der häufigste Vogel“. Ab den späten1950er Jahren muss eine rasche Ausbreitung der Nachtigall in den Seewinkel stattgefunden haben, denn bereits in den 1980er Jahren war sie in ähnlicher Häufigkeit und in derselben lokal hohen Dichte wie heute vorhanden. Wie einige andere in Baumbeständen und Wäldern vorkommende Vogelarten (z. B. Amsel, Singdrossel, Buchfink), fehlte die Nachtigall also bis Mitte des letzten Jahrhunderts im baumarmen Seewinkel völlig und wanderte hier erst, wie auch die anderen oben genannten Vogelarten, im Zug des Älterwerdens der vielerorts gepflanzten Wäldchen, Windschutzstreifen und Baumgruppen, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Da eine faunistische Zusammenfassung aus den 1960er oder 1970er Jahren fehlt, sind sowohl räumlicher als auch zeitlicher Ablauf der Besiedlung undokumentiert geblieben.

Aktuelle Erhebungen

Die Nachtigall ist im Neusiedler See Gebiet ein häufig und weit verbreiteter Brutvogel. Sie besiedelt hier Baumbestände aller Art und erreicht vor allem in den kleinen Wäldchen am Ostufer des Neusiedler Sees, zwischen Illmitz und Podersdorf kleinräumig außerordentlich hohe Dichten. Weiters ist sie überall in Windschutzstreifen zu finden und besiedelt auch Buschbestände und Hecken am Rand von Ortschaften und Gutshöfen. Besonders geeignete Lebensräume für die Art sind auch die eigentlich aus Sicht des Naturschutzes im Seewinkel unerwünschten Bestände der Ölweide, die vor Jahrzehnten öfters an den Rändern von Lacken gepflanzt worden sind, teilweise aber auch durch Selbstausbreitung auf, vor langer Zeit brachgefallenen Grundstücken entstanden sind und heute oft ausgedehnte Dickichte bilden. Diese heutigen niedrigen Wäldchen aus Ölweide beherbergen eine eigene typische Vogelfauna aus Ringel- und Turteltaube, Mönchs-, Dorn- und Sperbergrasmücke und eben der Nachtigall. Alle diese Arten haben in Ölweidenbeständen einen ihren Vorkommensschwerpunkte.

Systematische Bestandsaufnahmen wurden bislang nur in ein paar Teilgebieten durchgeführt. 1991 wurden im Gebiet zwischen Hackelsberg und Jungerberg zwischen Jois und Winden am Nordwestufer des Neusiedler Sees, auf einer Fläche von 154 Hektar mit überwiegend verbuschten Trockenrasen und Flaumeichenwald, 18 - 20 Brutpaare der Nachtigall kartiert. Das ergab 11,7 - 13 Brutpaare/km². In einem deutlich größeren Weingarten-Gebiet zwischen Winden und Jois konnten 1997 bei einer Revierkartierung auf 619 Hektar 32 Brutpaare erfasst werden, was eine viel geringere Siedlungsdichte von 5,2 Brutpaaren/km² ergibt. Auf den Zitzmannsdorfer Wiesen wurden sowohl 1991 als auch 2011 Bestandsaufnahmen mit gleicher Methodik durchgeführt. 1991 wurden zumindest acht Reviere (1,1/km²) festgestellt, 2011 hingegen nicht weniger als 28 (3,8/km²). Diese beträchtliche Zunahme dürfte auf die stark zunehmende Verbuschung des Gebiets zurückzuführen sein, die in den 20 Jahren, die zwischen den beiden Untersuchungen lagen, stattgefunden hat. Eine weitere quantitative Untersuchung aus dem Seewinkel liegt aus einem 375 Hektar großen Gebiet gemischter landwirtschaftlicher Nutzung (Äcker, Weingärten, Windschutzstreifen, Wäldchen) nordwestlich von Pamhagen vor. Hier wurden 1998 12 Brutpaare der Nachtigall erfasst, was einer Siedlungsdichte von 3,2 Brutpaaren/km² entspricht. 2009  wurde auch im österreichischen Teil des Hanságs auf der Gesamtfläche von 30 km² eine Erfassung der Brutvögel durchführt, dabei konnten 80 - 90 Reviere der Nachtigall festgestellt werden, was einer großflächigen Dichte von 2,7 - 3 Brutpaaren/km² entspricht.

Bedeutung des Vorkommens

Das Vorkommen der Nachtigall im Neusiedler See Gebiet ist, bezüglich der großflächigen Siedlungsdichte sicherlich das wichtigste in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Nachtigallen können zwischen Mitte April und Mitte Mai im Seewinkel überall gehört werden, wo es kleinere und größere Baum- und Buschbestände gibt, die den oben beschriebenen Lebensräumen entsprechen. Besonders gute Plätze, um die Art auch zu beobachten, sind die am Rand des Sees direkt am Fahrradweg gelegenen, relativ lichten Baumbestände im Gebiet der Hölle (besonders beim ehemaligen Gasthaus „Sattler“ auf der Höhe des Oberen Stinkersees).

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Lebensraum und Vorkommen der Nachtigall im Seewinkel sind nach derzeitigem Wissenstand nicht gefährdet.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M., H.-M. Berg & B. Wendelin (2012): Ornithologische  Bestandserhebungen im Europaschutzgebiet  „Waasen-Hanság“  in den Jahren  2009 und 2010. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Amtes der  Burgenländischen Landesregierung,  Abteilung 5. 76 pp.

Dvorak, M. & E. Nemeth (1992): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen. Biologisches Forschungsinstitut für Burgenland – Bericht 78: 47-64.

Dvorak, M., B. Wendelin & J. Lehner (2011): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen in den Jahren 1991 bis 2011. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Nationalparks  Neusiedler See – Seewinkel. 85 pp.

Karner, E. A. Ranner & M. Dvorak (1992): Quantitative Erfassung der Vogelwelt des Gebietes um Hackelsberg und Jungerberg. Biologisches Forschungsinstitut für Burgenland- Bericht 78: 17-30.