Saatkrähe

Corvus frugilegus

Die Saatkrähe ist das ganze Jahr über im Seewinkel anzutreffen. Die sehr sozialen Tiere begeben sich oft gruppenweise auf Nahrungssuche, das bunte Treiben in einer Brutkolonie lässt sich am Besten am östlichen Ortsrand von Illmitz rechts der Straße nach Apetlon beobachten.
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Merkmale

Durch das einheitlich schwarze, im Sonnenlicht auch blau-schillernde Gefieder weist sich die Saatkrähe schon von weitem eindeutig als Mitglied der Familie der Krähenvögel aus. Von der ebenfalls schwarzen Rabenkrähe unterscheidet sich die Saatkrähe durch den hellgrauen Schnabel, die unbefiederten Kopfseiten und durch die „Hosen“, die in etwa das obere Drittel des Tibiotarsus bedecken. Im Gegensatz zur solitär brütenden Aaskrähe (mir den Unterarten Nebel- und Rabenkrähe) bildet die Saatkrähe größere Brutkolonien zumeist in ausgedehnten Beständen von ausladenden älteren Bäumen.

Lebensräume

Die Saatkrähe besiedelt halboffene Landschaften, grünlandreiche Flusstäler, Aulandschaften und abwechslungsreiches Kulturland, wobei sie fruchtbare Böden bevorzugt. Als Kulturfolger dringt sie auch in menschliches Siedlungsgebiet vor und brütet selbst in zentralen Grünanlagen und Parks großer Städte. Ihre Horste errichtet die Saatkrähe in Kolonien an Waldrändern, in kleinen Gehölzen, Wäldchen, Baumgruppen, Windschutzstreifen und in Parkanlagen. Fast immer werden die Kolonien in Laubbäumen angelegt, selten auch auf Nadelbäumen. In den Städten nistet die Saatkrähe gerne auf Platanen, in Ostösterreich finden sich die Horste meist auf Pappeln, zum Teil, wie in Ungarn viel häufiger, auch auf Robinien. Von den drei großen Brutkolonien im Seewinkel liegen zwei in Pappelbeständen und eine in einem Robinienbestand.

Verbreitung

Global und national

Die Saatkrähe hat eine paläarktische Verbreitung, ihr Areal zieht sich quer durch Europa und Asien  und umfasst einen breiten Gürtel von der borealen Zone bis in die Wüstenzone. Die österreichischen Vorkommen liegen am Südrand des geschlossenen Brutareals.

Wanderungen

Die Saatkrähe ist Stand- und Zugvogel. Während die Vögel der meisten burgenländischen Brutkolonien auch das Winterhalbjahr in der weiteren Umgebung der Brutkolonien verbringen, stammen die winterlichen Schwärme, die von November bis Februar den Osten Österreichs bevölkern aus Nordosteuropa, vor allem aus der Ukraine, aus Weißrussland und aus dem Westen Russlands.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren war im Neusiedler See Gebiet kein Brutvorkommen der Saatkrähe bekannt, sie war jedoch ein häufiger Wintergast. Es wurde damals jedoch vermutet, dass sich Brutplätze in der nächsten Umgebung (also Ungarn) befinden müssten. Auch 10 Jahre später war im Gebiet kein Brutplatz der Art bekannt und erst 1955 wurde im Seewinkel (wieder) ein Brutvorkommen der Art entdeckt, gleichzeitig handelte es sich damals um eine Wiederansiedlung der in Österreich für Jahrzehnte als Brutvogel verschwundenen Art. Weitere Kolonien im Nordburgenland wurden erst in den 1960er Jahren bekannt, im Seewinkel gab es seit 1968 eine Kolonie im Neudegg nahe der ungarischen Grenze. 1975 brüteten im Burgenland 115  -120 Paare, Anfang der 1980er Jahre über 400, in den frühen 1990er Jahren 280 - 390 Paare.

Aktuelle Erhebungen

In den Jahren 2005, 2008 und 2010 wurde der Saatkrähen-Brutbestand des Burgenlandes neuerlich systematisch erfasst: Im Neusiedler See Gebiet wurden 2005 201, 2008 286 und 2010 344 Brutpaare gezählt, im gesamten Burgenland waren es 2005 mindestens 1.156 und 2010 bereits 1.986 Brutpaare. Im Vergleich zu den 1990er Jahren wurde also eine Verfünffachung des Bestandes festgestellt. In den Jahren nach 2010 hat der Brutbestand dann allerdings infolge einer behördlich genehmigten Verfolgung (Abschüsse) wieder abgenommen.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt ca. 10 - 15 % des österreichischen Brutbestandes der Saatkrähe.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Eine leicht einsehbare Brutkolonie liegt am östlichen Ortsrand von Illmitz rechts der Straße nach Apetlon. Die zweite größere Brutkolonie des Seewinkels findet sich im Steppentierpark Pamhagen, hier sind die Vögel aber deutlich schwieriger zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Ab 2013 dürfen zu Beginn der Brutzeit mit behördlicher Genehmigung Abschüsse von Saatkrähen durchgeführt werden, um eine Bestandsreduktion zu erreichen. Grund dafür sind Schäden, die die Nahrung suchende Vögel an frisch angesäten Maisfeldern  verursachen. Besonders betroffen davon sind augenscheinlich Biobauern, die unbehandeltes Saatgut verwendet, das von den Saatkrähen besonders bevorzugt wird.

Weiterführende Literatur

Gauckler, A. & M. Kraus (1955): Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) als Brutvogel im Seewinkel (Bgld.). Vogelkundl. Nachr. aus Österreich 6: 10.

Grüll, A. (1982): Neuere Brutvorkommen der Saatkrähe im Burgenland. Egretta 25: 27.

Grüll, A. (1988): Saatkrähen-Bestände in Österreich. Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 53: 65.

Peter, H. (1995): Die Bestandsentwicklung der Saatkrähe (Corvus frugilegus) in Österreich 1955-1994. Egretta 38: 99-108.

Prokop, P. (1975): Zur derzeitigen Brutverbreitung der Saatkrähe (Corvus frugilegus) im östlichen Österreich. Egretta 18: 3-7.

Ranner, A., M. Dvorak, M. Gattermayr, O. Samwald & C. Schütz (2010): Brutbestandsentwicklung der Saatkrähe (Corvus frugilegus) im Burgenland von 2005 bis 2010. Vogelkundl. Nachr. Ostösterreich 21: 11-16.

Ranner, a. & r. Riegler (2005): Verbreitung und Bestand der Saatkrähe (Corvus frugilegus) im Burgenland im Jahr 2005. Egretta 48: 96-101.