Schafstelze

Motacilla flava

Die Schafstelze gliedert sich in mehrere Unterarten auf von denen in erster Linie die Nominatform flava im Neusiedler See Gebiet zu beobachten ist. Daneben sind mit etwas Glück Anfang Mai auch Vertreter der Unterart thunbergi zu entdecken, die sogenannte Maskenstelze (M.f.feldegg) tritt ausnahmsweise auch als Brutvogel in der Nationalparkregion auf. Als Lebensraum nutzt die Art offene Wiesen- und Weidelandschaften wo sie von April bis in den August gut beobachtet werden kann. Holzpfosten oder Gebüsche werden als Ansitzwarten gerne angenommen. Mit geschätzten 600 bis 700 Brutpaaren beherbergt das Gebiet um den Neusiedler See einen großen Teil des österreichischen Brutbestandes und ist daher von nationaler Bedeutung.

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Merkmale

Die Schafstelze weist verschiedene Unterarten auf, die sich durch die Kopfzeichnung vorwiegend der Männchen unterscheiden lassen. Alle Schafstelzen-Männchen sind unterseits leuchtend gelb und oberseits blassgrün. Die in Mitteleuropa vorkommende Nominatform flava hat einen blaugrauen Kopf und einen markanten, weißen Überaugenstreif. Flava stellt im Nationalpark (fast) alle Brutvögel und auch den größten Teil der durchziehenden Vögel. Darüber hinaus sind aber zur Zugzeit auch Vertreter weiterer Unterarten zu beobachten, die eindeutig verschieden gezeichnet und deshalb leicht zu unterscheiden sind: Die Nordische Schafstelze, (M.f. thunbergi) hat einen dunkelgrauen Kopf und kommt in Skandinavien vor. Die Aschköpfige Schafstelze (M.f. cinereocapilla) hat einen grauen Kopf und eine weiße Kehle und brütet im westlichen Mittelmeergebiet. Schlussendlich ist noch die Maskenstelze (M.f. feldegg) zu erwähnen, die durch ihren ganz schwarzen Kopf auffällt. Sie brütet im östlichen Mittelmeerraum und tritt im Seewinkel ausnahmsweise auch als Brutvogel auf. Neben eindeutig bestimmbaren Vögeln sind immer wieder auch verschiedene nicht eindeutig zuordenbare Individuen zu sehen, die Merkmale verschiedener Unterarten aufweisen. Schafstelzen-Weibchen und die Jungen sind blasser als die Männchen gefärbt. Der sehr einfache Gesang der Schafstelze besteht aus der Aneinanderreihung eines „zip-zip-zipsi“ oder „srisrisir“ und wird vom Männchen von einer Warte oder im Singflug vorgetragen. Der Ruf ist ein lautes und wohltönendes „psüip“ oder ein raueres „zier“.

Lebensräume

Die Schafstelze besiedelt offenes und ebenes, von niedriger Vegetation bewachsenes Gelände mit nassen oder zumindest temporär feuchten Böden. Niedere Büsche, hohe Stängel, Zäune oder Holzpfosten werden als Warten genutzt, deren Vorhandensein ist aber nicht unbedingt Voraussetzung für eine Ansiedlung. Optimale Bedingungen bietet durch Nässe oder Viehtritt stellenweise aufgelockerte oder horstige Bodenvegetation mit einer Deckung von 60-90% und einer mittleren Wuchshöhe von 45 - 60 cm. Während Pfeifengraswiesen und bültige Seggenriede in Feuchtgebieten der ursprüngliche Lebensraum der Art in Mitteleuropa sind, brüten Schafstelzen in der Kulturlandschaft auch in extensiv bewirtschafteten Streu- und Mähwiesen und, oft in oft besonders hoher Dichte, in feuchten Viehweiden. Auch Agrarflächen werden regelmäßig besiedelt, besonders wenn sie von feuchten Senken, Ruderalflächen sowie grasbewachsenen Bachböschungen und Entwässerungsgräben durchzogen sind. Im Seewinkel ist die Schafstelze ein verbreiteter Brutvogel in den, die Lacken umgebenden Feuchtwiesen und in den größeren und kleineren Grünlandgebieten; stellenweise kommt sie auch im reinen Ackerland vor. Lokal ist die Art auch am Westufer des Neusiedler Sees in den, am landseitigen Rand gelegenen Wiesen und Brachen als Brutvogel vertreten. Ihre idealen Bruthabitate sollten über niedrige aufgelockerte und oder horstige Bodenvegetation und auch kleine vernässte Bereiche verfügen.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet der Schafstelze umfasst große Teile der Paläarktis mit Ausnahme der Tundren im hohen Norden, der Wüstengebiete und der innerasiatischen Gebirgszonen. Innerhalb dieses weitläufigen Areals können mindestens 18 Unterarten unterschieden werden. Im Westen ist die Schafstelze bis zur Atlantikküste Marokkos verbreitet und brütet von der Iberischen Halbinsel, den Britischen Inseln über Skandinavien ostwärts quer durch Asien bis Sachalin, Kamtschatka und sogar über die Beringstraße hinweg, in West- und Nordalaska. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 7.900.000 - 14.000.000 Brutpaare beziffert. Russland weist mit 4 - 7 Millionen Brutpaaren, die mit Abstand größte Population auf, mehrere 100.000 Paare gibt es aber auch in Weißrussland, Bulgarien, Finnland, Ungarn, Norwegen, Polen, Rumänien, in der Türkei und in der Ukraine.

Wanderungen

Nur in den klimatisch wärmeren Zonen ist die Schafstelze ein Standvogel. Die nördlichen und östlichen Populationen überwintern in geringer Zahl in Nordafrika, der Großteil aber in den Tropen Afrikas. Als ausgeprägter Zugvogel trifft die Schafstelze ab Anfang April an ihren Brutplätzen ein, der Wegzug beginnt bereits im August und erreicht im September sein Maximum.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren schrieb R. Zimmermann über die Art:„Die Schafstelze ist nicht nur ein häufiger Brutvogel des Gebiets, sondern zieht auch in großen Mengen durch“. Auch in den frühen 1950er Jahren wurde sie als „sehr häufiger Brutvogel und Durchzügler“ bezeichnet. Die einzige bisher durchgeführte Bestandsaufnahme der Schafstelze in den Jahren 1992 und 1993 ergab rund 200 Brutpaare im Seewinkel und weitere 35 - 40 auf den Zitzmannsdorfer Wiesen und eine Bestandschätzung von 265 - 320 Paaren für beide Gebiete zusammen. Nach stichprobenartigen Erhebungen in vielen verschiedenen Teilgebieten hat der Bestand im Verlauf der 1990er Jahre und zwischen 2000 und 2005 allerdings beträchtlich zugenommen.

Aktuelle Erhebungen

Im Jahr 2006 im Seewinkel durchgeführten flächendeckenden Kartierungen ergaben einen Bestand von 500 - 600 Brutpaaren. Die Verbreitung konzentrierte sich vor allem auf die großen Wiesengebiete (Lange Lacke/Wörthenlacke, Arbestau, Martentau, Zitzmannsdorfer Wiesen), doch sind auch einige ehemalige, aber heute verlandete Lacken (Huldenlacke, Pimetzlacke, Schwarzseelacke, Karmaziklacke) sehr dicht besiedelt. Gute Vorkommen liegen auch an den Rändern der zentralen Lacken (Fuchslochlacke bis Stundlacke). Sehr gut besiedelt sind auch die Zitzmannsdorfer Wiesen, wo im Jahr 2006 ca. 40 und 2011 39 - 42 Reviere der Schafstelze erfasst wurden. Am Westufer des Neusiedler Sees fanden sich nur Kleinvorkommen im Seevorgelände bei Winden (3 - 5 Reviere), zwischen Purbach und Donnerskirchen (8 - 10 Reviere), südlich von Rust (2 Reviere), zwischen Breitenbrunn und Purbach (2 Reviere) sowie südlich vom Bahnhof Neusiedl. Der derzeitige Bestand für den Seewinkel, die Zitzmannsdorfer Wiesen und das Westufer wurde anhand der Kartierungsdaten aus dem Jahr 2006 auf 600 - 700 Brutpaare geschätzt. Neuere Untersuchungen liegen nicht vor.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt einen großen Teil des österreichischen Brutbestandes und ist daher von nationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Häufig und meist gut zu beobachten sind Schafstelzen zur Brutzeit vor allem in den großen Wiesengebieten (Lange Lacke/Wörthenlacke, Arbestau, Martentau, Zitzmannsdorfer Wiesen). Anfang Mai  sind neben den ansässigen Vögeln (flava) mit etwas Glück auch regelmäßig Vögel der Unterart thunbergi, der Nordischen Schafstelze zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Als Gefährdungsfaktor sind vor allem Nutzungsintensivierungen anzuführen. Für die wiesenbrütende Population sind das z. B. zu frühe und mehrmalige Mahd, für Ackerbruten z. B. Drainagierungen und Düngung. Bestandsfördernd sind Erhalt und Entwicklung von Flächen extensiverer Nutzung, sowie der Erhalt vernässter Flächen mit langsamerem Graswachstum zu Beginn der Brutzeit.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. & T. Zuna-Kratky (1993): Zur aktuellen Situation ausgewählter Kulturlandvögel im Neusiedlersee-Gebiet. Vogelkundl. Nachr. aus Ostösterreich 4: 125-138.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.