Schwarzkehlchen

Saxicola rubicola

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt wahrscheinlich die größte Population des Schwarzkehlchens in Österreich. Als Kurzstreckenzieher überwintern Schwarzkehlchen im Mittelmeergebiet, sie beziehen ihre Brutplätze bereits ab Anfang März und können bis in den Oktober hinein in den Brutgebieten beobachtet werden.

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Merkmale

Die Männchen des Schwarzkehlchens haben einen völlig schwarzen Kopf, ein weißes Band am Hals und eine rotbraune Brust. Das Weibchen hat einen braun gescheckten Kopf, eine etwas hellere rotbraune Brust und kein Halsband. Männchen und Weibchen sind am Flügel schmal weiß gestreift. Männchen haben einen weißen Fleck am Bürzel, der den Weibchen fehlt. Das Schwarzkehlchen sitzt oft aufrecht und gut sichtbar auf den Spitzen von Büschen und Sträuchern oder anderer Warten. Dabei wippt es ständig mit Flügeln und Schwanz. Häufig hört man von warnenden Schwarzkehlchen anhaltend ein charakteristisches „ fid, tack, tack“. Schwarzkehlchen singen von erhöhten Warten aus oder führen selten auch Singflüge durch.

Lebensräume

Das Schwarzkehlchen ist ein Brutvogel der offenen Landschaft und besiedelt Bereiche mit niederer, weitgehend geschlossener Bodenvegetation und einem hohen Wartenangebot in Form von Büschen, niederen Bäumen, Pfählen, Leitungsdrähten und verholzten Hochstauden. Die Brutplätze liegen zumeist an trockenen Stellen, wenn die wesentlichsten Strukturen und trockene Bodenstellen vorhanden sind, werden jedoch auch Feuchtgebiete nicht gemieden. Das Schwarzkehlchen ist ein charakteristischer Brutvogel von Randstrukturen in der Agrarlandschaft. Typische, von der Art besiedelte Biotope sind z. B. Bahndämme, verbuschte Weg- und Feldraine, verbuschte Böschungen an Wegen, Bach- und Kanalufer, Brachen und Ruderalflächen, Straßenränder, Mülldeponien sowie Sand- und Schottergruben. Zumeist siedelt das Schwarzkehlchen eher verstreut in der Agrarlandschaft und ein Einzelpaar findet schon mit wenigen 100 m² geeigneten Habitats sein Auslangen. Höhere Dichten werden z. B. in linearen Biotopen (z.B. entlang von Bahndämmen, Straßen- und Wegrändern mit Strom- und Telefonleitungen, Kanälen) sowie in verbuschten Mager- und Trockenrasen, Heiden, größeren Schottergruben, Müllplätzen, Hutweiden, Mähwiesen und Feuchtgebieten erreicht.

Verbreitung

Global und national

Das Schwarzkehlchen besiedelt in mehreren Unterarten weite Teile der Paläarktis von den Britischen Inseln im Westen bis nach Japan im Osten sowie Pakistan, den Himalaya und Südchina im Süden. Im westlichen Eurasien ist das Verbreitungsgebiet durch eine ausgedehnte, sich von Skandinavien, Mittel- und Osteuropa bis zum Norden der Kaspischen See erstreckenden Lücke geteilt. In neuerer Zeit wird zumindest die in Mittelsibirien brütende Unterart maura,  manchmal als „Sibirisches Schwarzkehlchen“ bezeichnet, als eigene Art abgetrennt. In Europa fehlt das Schwarzkehlchen im nördlichen Deutschland und Polen, in Dänemark, Weißrussland, den Baltischen Staaten, Skandinavien und weiten Teilen Russlands.

Die Verbreitungsschwerpunkte des, Anfang der 2000er Jahre auf 2.400.000 - 4,6 Millionen Brutpaare geschätzten, europäischen Bestandes liegen im Süden und Südosten. Die größten Populationen brüten in Frankreich (400.000 - 1,6 Million Paare), Ungarn (390.000 - 550.000 Paare), Spanien (250.000 - 500.000 Paare), Italien (200.000 - 300.000 Paare), Griechenland (50.000 - 100.000 Paare) und Rumänien (64.000 - 240.000 Paare). In Mittel- und Nordwesteuropa finden sich hingegen durchwegs nur kleinere Bestände von bestenfalls wenigen Tausend Paaren.

Wanderungen

Das Schwarzkehlchen ist ein Kurzstreckenzieher und überwintert im Mittelmeergebiet. Es bezieht seine Brutplätze bereits ab Anfang März und kann bis in den Oktober hinein in den Brutgebieten bleiben.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Anfang der 1940er Jahre wurde das Schwarzkehlchen für das Neusiedler See Gebiet als ein, noch spärlicherer Brutvogel als das Braunkehlchen, bezeichnet. R. Zimmermann, der drei Jahre lang zur Brutzeit das Gebiet durchforschte, konnte die Art nur an wenigen Stellen am Westufer des Neusiedler Sees beobachten, aus dem Seewinkel wurden ihm keine Brutvorkommen bekannt. Im Gegensatz dazu wurde das Schwarzkehlchen Anfang der 1950er Jahre, also nur 10 Jahre später als „ausgesprochen häufig“ bezeichnet, vereinzelt kam es damals auch schon im Seewinkel vor. In den folgenden Jahrzehnten hat der Bestand dann auch im Seewinkel stark zugenommen und das Schwarzkehlchen wurde hier zum verbreiteten Brutvogel. Mitte der 1980er Jahre wurde der Bestand auf 110 - 120 Brutpaare geschätzt, 1992/93 bei besserer Erfassung auf 170 ‑ 200.

Aktuelle Erhebungen

Im Jahr2006 wurde eine flächendeckende Bestandsaufnahme im ganzen Neusiedler See Gebiet  durchgeführt. Im Seewinkel gelangen im Zuge dieser Arbeiten 392 und im übrigen Gebiet 939 Beobachtungen. Mit Ausnahme der ausgesprochen gebüscharmen Acker-, Weingarten- und Grünlandbereiche ist das gesamte Neusiedler See Gebiet flächig vom Schwarzkehlchen besiedelt. Eine Auswertung dieser Beobachtungsdaten ergab einen Bestand von 400 - 600 Brutpaaren für das Westufer und 200 - 300 für den Seewinkel. Im gesamten Neusiedler See-Gebiet gab es 2006 daher 600 - 900 Brutpaare.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt wahrscheinlich die größte Population des Schwarzkehlchens in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Das Schwarzkehlchen ist überall im Nationalpark in geeigneten Lebensräumen leicht zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Ganz allgemein verschwindet das Schwarzkehlchen in zu intensiv genutzten, großflächig monotonen Agrarflächen. Deshalb stellen Eingriffe wie die Beseitigung einzelner Büsche und Ruderalflächen, die Planierung von Böschungen, die Rodung von Hecken und der Umbruch von Magerrasen eine potentielle Gefährdung dar.

Größere Trocken- und Magerrasenflächen sollten schon aufgrund ihrer Bedeutung als Rückzugsgebiete für zahlreiche Pflanzenarten, Insekten und andere Wirbellose speziell geschützt werden. Besonders die Aufforstung solcher Gebiete sollte unterbleiben. In Agrarlandschaften würde eine ganze Reihe von Vogelarten (z. B. Neuntöter, Grauammer, Heidelerche, Rebhuhn, Dorngrasmücke) von der Erhaltung bestehender und der Schaffung neuer Randstrukturen (Hecken, Buschgruppen, kleine Wiesenflecken, Brachen, Ruderalflächen, breite, unbehandelte Ackerränder) profitieren.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. (1988): Zur Verbreitung einiger gefährdeter Singvogelarten im Neusiedler See-Gebiet. BFB-Bericht 66: 39-55.

Dvorak, M. & T. Zuna-Kratky (1993): Zur aktuellen Situation ausgewählter Kulturlandvögel im Neusiedlersee-Gebiet. Vogelkundl. Nachr. aus Ostösterreich 4: 125-138.

Karner-Ranner, E., A. Grüll & A. Ranner (2007): Monitoring von Bestandsentwicklung, Siedlungsdichte und Habitat von Kulturlandvögeln im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel als Grundlage für Managementmaßnahmen. Egretta 49: 19-34.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.