Schwarzkopfmöwe

Larus melanocephalus

Die Schwarzkopfmöwe gilt seit Ender der 1980er Jahre als regelmäßiger Brutvogel des Neusiedler See Gebietes. Seither hat sich der Brutbestand sehr positiv entwickelt, die Art nutzt je nach den jeweiligen Verhältnissen jährlich unterschiedliche Brutplätze im österreichischen oder im ungarischen Teil des Gebietes. Gute Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich meist an der Langen Lacke.

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Merkmale

Im Gegensatz zur Lachmöwe, zieht sich das Schwarz bei der Schwarzkopfmöwe über den Kopf in den Nacken und bis zum Hals hinunter, und ist klar vom restlichen weißen Gefieder abgesetzt. Die  Unterseite der Flügel ist bei den Altvögeln einheitlich weiß. Im Schlichtkleid fehlt die schwarze Kapuze, dann befinden sich hinter dem Auge ein dunkelgrauer Fleck und auf dem Hinterkopf eine graue Strichelung. Die Beine und der Schnabel sind leuchtend rot, letzterer hat nahe der Spitze eine schwarze Binde. Auch das Auge ist von einem roten Lidring umgeben, der teilweise eine weiße Einfassung trägt. Die Schwarzkopfmöwe ist auffällig ruffreudig und hat eine kennzeichnende, nasale Stimme.

Lebensräume

Die Schwarzkopfmöwe brütet in Küstenregionen mit niederer Vegetation und kleinen Inseln. Sie besiedelt hier Flussdeltas, Flussmündungen, Lagunen und Sumpfgebiete. Im Binnenland brütet die Schwarzkopfmöwe fast immer im Anschluss an Lachmöwenkolonien. Im Seewinkel liegen die Brutplätze am Rand der Sodalacken auf spärlich bewachsenen Halbinseln oder Insel, teilweise aber auch in gemähten Schilfbeständen. Zum Nahrungserwerb werden zur Brutzeit vor allem Ackerland und Wiesen, aber auch Lagunen, Salinen, Reisfelder und küstennahe Meeresgebiete aufgesucht; im Seewinkel halten sich nahrungssuchende Schwarzkopfmöwen regelmäßig zusammen mit Lachmöwen in Weingärten auf. Außerhalb der Brutzeit ist die Schwarzkopfmöwe hauptsächlich an den Küsten und (überwiegend) am offenen Meer anzutreffen. Im Binnenland halten sich die wenigen Durchzügler und Wintergäste hauptsächlich an große Seen und Stauseen, aber auch an Flüssen auf. Schwarzkopfmöwen brüten im Seewinkel stets im Anschluss an Lachmöwenkolonien. Die Brutplätze liegen am Rand der Sodalacken auf spärlich bewachsenen Halbinseln oder Insel, einmal wurde auch in einem gemähten Schilfbestand gebrütet. Die Schwarzkopfmöwen besiedeln stets die am höchsten gelegenen, zentralen Koloniebereiche und nicht die Peripherie. Die Neststandorte befinden sich in der etwas höheren, krautigen Vegetation. An diesen Standorten brüten zumeist mehrere Paare zusammen in kleinen Subkolonien.

Verbreitung

Global und national

Der Schwerpunkt des Brutareals der Schwarzkopfmöwe liegt an den Küsten des nordwestlichen Schwarzen Meeres und im Asowschen Meer, hier brütet der Großteil des Weltbestandes der Art. Außerhalb dieses Gebiets tritt die Art in isolierten Vorkommen am Kaspischen Meer, in der Türkei, im Mittelmeergebiet (Griechenland, nördliche Adria, französische Mittelmeerküste) und sehr lokal in West-, Mittel- und Osteuropa auf. Alle Brutvorkommen im mittel- und westeuropäischen Binnenland sowie im westlichen Mittelmeergebiet, gehen auf Neu-Ansiedlungen zurück, die etwa in den 1950er Jahren begonnen haben.

Wanderungen

Das Haupt-Überwinterungsgebiet der Schwarzkopfmöwe liegt im Mittelmeergebiet. Wichtige Gebiete sind hier die Umgebung des Nil-Deltas, das zentrale Mittelmeer und das Ionische Meer um Sizilien, Malta, Tunesien und Libyen sowie der Golf von Lyon, südlich entlang der spanischen Mittelmeerküste bis Malaga. Teile der dortigen Brutpopulation überwintern auch im Schwarzen Meer. Außerhalb des Mittelmeeres überwintert die Schwarzkopfmöwe auch an den Atlantikküsten der Iberischen Halbinsel und in der französischen Biskaya, sowie entlang der marokkanischen Atlantikküste südlich bis nach Mauretanien. Der Abzug der Jungvögel aus dem nördlichen Schwarzen Meer beginnt schon im späten Juni/frühen Juli, die Hauptzugzeit am Bosporus und im Ägäischen Meer fällt in den September. Ein Teil der Jungvögel verstreicht ins Binnenland. Aus Österreich liegen mehrere Ringfunde von am Schwarzen Meer beringten Exemplaren vor. Der Heimzug ins Schwarze Meer dauert von Anfang März bis Ende Mai, doch übersommern viele noch nicht brutreife Vögel im Mittelmeergebiet.

Im Neusiedler See Gebiet beginnt der Einzug adulter Schwarzkopfmöwen Ende März, die Brutplätze werden in der zweiten Hälfte des Aprils besetzt. Der Brutbestand ist dann Anfang Mai vollzählig im Gebiet eingetroffen. Flügge Jungvögel sind ab Anfang Juli in größerer Zahl festzustellen. Im August und September halten sich sowohl Alt- als auch Jungvögel nur mehr in kleiner Zahl im Gebiet auf, die letzten Nachweise stammen bereits von Ende September und Anfang Oktober.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Die ersten konkreten Nachweise aus dem 20. Jahrhundert, stammen aus den Jahren 1955 und 1956. In den darauf folgenden Jahren werden die Nachweise regelmäßiger, mit beinahe alljährlichen Meldungen bis 1966. Zumindest 1959 sowie 1962 - 1964 halten sich zur Brutzeit adulte Vögel in der Lachmöwen-Kolonie auf der Langen Lacke auf. 1966 - 1976 werden die Nachweise wieder spärlicher mit nicht mehr alljährlichen Meldungen. 1977 gelang dann der erste sichere Brutnachweis an der Huldenlacke, eine weitere Brut wurde dann 1983 ebenfalls von der Huldenlacke gemeldet. Ab Ende der 1980er Jahre kann man die Schwarzkopfmöwe als regelmäßigen Brutvogel des Seewinkels bezeichnen. 1988 und 1989 gelangen weitere Brutnachweise für 1 - 2 Paare an der Langen Lacke. Brutverdächtige Paare gab es dann 1990, 1992 und 1993 an der Langen Lacke. Ab 1995 steigt die Zahl der zur Brutzeit anwesenden Paare dann an: 1995 wurden bis zu fünf, 1996 bis zu drei Paare gezählt. 1997 ergaben gezielte Erhebungen 11 Paare, 1998 sechs und 1999 stieg die Zahl der Brutpaare auf 14. Im Jahr 2000 wurde das Maximum von 35 Paaren an der Langen Lacke und einem Paar am Illmitzer Zicksee erreicht.

Aktuelle Erhebungen

2001 - 2005 brütete die Schwarzkopfmöwe alljährlich im Seewinkel, die meisten Brutkolonien lagen wie in den Jahren davor an der Langen Lacke. Zweimal wurden Bruten auch am St. Andräer Zicksee festgestellt. Der Brutbestand schwankte zwischen acht und 36 Paaren. 2006 gab es Anfang Mai eine kleine Brutansiedelung am traditionellen Brutplatz in der Lachmöwen-Kolonie auf der Halbinsel am Südufer der Langen Lacke. 2007 brüteten auf österreichischer Seite nur fünf Paare, auf ungarischer Seite brüteten jedoch erstaunliche 85 Paare am Nyeki-szallas. Der Gesamtbestand von 90 Paaren im Neusiedler See Gebiet ist das absolute Maximum, das je im Gebiet festgestellt wurde. Auch 2008 kamen auf österreichischer Seite nur 1-2 Paare zur Brut, auf ungarischer Seite brüteten jedoch 44 Paare wieder am Nyeki-szallas. 2009 kam es wieder zu keiner erfolgreichen Brut im österreichischen Teil des Nationalparks. 2011 brüteten mindestens 70 Paare auf der Langen Lacke, der Bruterfolg lag bei 70 - 90 Jungvögel. 2012 entstand wieder eine Kolonie auf der Halbinsel der Langen Lacke, diese blieb jedoch aufgrund der Trockenheit ohne Bruterfolg. Erst 2013 brütenden Schwarzkopfmöwen wieder erfolgreich im österreichischen Teil des Nationalparks. Rund 80 Paare befanden sich in einer riesigen Lachmöwenkolonie auf einer grasbewachsenen Kuppe, der „Eberhard Stüber Insel“, im nördlichen Teil des Illmitzer Zicksees. Sie hatten einen guten Bruterfolg mit mindestens 112 flüggen Jungvögeln. Auch 2014 brüteten an derselben Stelle ca. zehn Paare, hatte aber diesmal keinen Bruterfolg.

Bedeutung des Vorkommens

Die Schwarzkopfmöwe brütet in Österreich in drei Gebieten von denen der Seewinkel den mit Abstand größten Bestand beherbergt.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Schwarzkopfmöwen sind in Jahren, in denen es im Seewinkel größere Brutkolonien gibt, relativ leicht unter den Lachmöwen-Scharen zu entdecken. Am leichtesten sind solche Beobachtungen an der Langen Lacke. Sehr oft machen sie schon durch die lauten, miauenden Rufe auf sich aufmerksam, die leicht aus dem Lachmöwen-Gekreisch herauszuhören sind. In diesen „guten“ Jahren kann jeder auf Feldern stehende Lachmöwen-Trupp auch Schwarzkopfmöwen enthalten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Das aktuellste Gefährdungspotential des Brutbestandes ist zurzeit die potentielle Verkrautung der Brutplätze. Durch ein Management, das schwankende Wasserstände mit Überschwemmungen zulässt, können die Halbinseln und Inseln langfristig von Bewuchs freigehalten werden.

Weiterführende Literatur

Bauer, K. (1957): Interessante Brut- und Sommervorkommen im Neusiedlersee-Gebiet. Vogelkundl. Nachr. aus Österreich 7: 1-7.

Festetics, A. (1959): Erster Brutnachweis der Schwarzkopfmöwe vom Neusiedlersee und ihre Verbreitung im Karpathenbecken. Egretta 2: 67-74.

Festetics, A. & B. Leisler (1970): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (III. Teil: Möwen- und Watvögel, IV. Teil: Sumpf- und Feldvögel). Wiss. Arb. Burgenland 44: 301-386.

Laber, J. (2000): Die Brutbestandsentwicklung der Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus) im Seewinkel. Egretta 43: 112-118.

Staudinger, M. (1978): Erfolgreiche Brut der Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus) im Burgenland, Österreich. Egretta 21: 8-11.