Seeadler

Haliaeetus albicilla

Der Seeadler ist seit 2003 regelmäßiger Brutvogel im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel. Darüber hinaus verbringen jährlich bis zu knapp 30 Seeadler den Winter im Neusiedler See Gebiet. Beobachutngsmöglichkeiten ergeben sich vor allem im Winter in der Nähe größerer Wasservogelansammlungen wie an der Langen Lacke oder an der Graurinderkoppel. 

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Merkmale

Der Seeadler ist der größte heimische Adler mit langen, breiten Flügeln, kräftigem Schnabel und keilförmigem Schwanz. Ausgewachsene Seeadler haben weiße Schwanzfedern und einen gelben Schnabel. Kopf und Hals sind hell gelblichbraun, der restliche Körper einheitlich braun. Jungvögel sind gleichmäßig dunkel gefärbt, besitzen einen braunen Schwanz und einen dunklen Schnabel. Im Laufe der Altersentwicklung hellt sich das Gefieder auf, und der Schwanz wird weiß. Gleichzeitig nimmt der Anteil an gelb gefärbten Partien des Schnabels zu, wobei die Gelbfärbung an der Basis beginnt. Im Flugbild fallen vor allem die breiten, brettförmigen Flügeln auf, im Segelflug die horizontal gehaltenen Schwingen, sowie der lange und kräftige Hals.

Lebensräume

Der Seeadler ist über sein ganzes Verbreitungsgebiet insbesondere während der Brutzeit an Gewässer gebunden. Während an Meeresküsten Felshorste überwiegen, brüten die Seeadler im Binnenland in Wäldern, in Baumgruppen und auf einzelnen Bäumen. Entscheidend für die Ansiedlung sind fisch- und (wasser)vogelreiche Gewässer in der Nähe des Horstes. Außerhalb der Brutzeit ist die Bindung an Gewässer zum Nahrungserwerb weit geringer. Der Seeadler sucht dann z.B. in Mitteleuropa auch offene Agrarlandschaften auf, um dort nach Fallwild und Aas zu suchen. Zur Brutzeit ist der Seeadler in Mitteleuropa in wasserreichen Lebensräumen zu finden, in denen genügend Wasservögel oder Fische als Nahrungsbasis zur Verfügung stehen. In Österreichs zählen so unterschiedliche Lebensräume wie Teichgebiete (Waldviertel, Südoststeiermark), Flusslandschaften (Donau, March) oder auch der Neusiedler See und das angrenzende Lackengebiet zum Brutgebiet.

Verbreitung

Global und national

Der Seeadler ist ein paläarktisches Faunenelement, weist aber auch am Rand der Nearktis kleine Vorkommen auf. Ursprünglich war die Art über den Großteil der nördlichen Paläarktis verbreitet, verschwand aber durch starke Verfolgung, vor allem in Europa, aus weiten Teilen seines Areals. In Europa brütet der Seeadler in Island sowie an den Küsten Norwegens und Finnlands. Weiters besiedelt er das Baltikum, Schweden, Polen und Deutschland. Im Osten reicht das Brutareal von den westlichen Ausläufern in Ungarn und Österreich über die Ukraine und Weißrussland bis nach Russland. In Südosteuropa sind die größten Populationen in Kroatien, Griechenland und Jugoslawien zu finden. In Schottland wurde der Seeadler wieder eingebürgert. Im Gebiet der Europäischen Union wiesen Mitte der 2000er Jahre Polen (850 Brutpaare), Deutschland (575), Schweden (350), Finnland (250) und Ungarn (204 - 210) die größten Brutpopulationen auf. Nach massiven Einbrüchen ab Mitte des 19. Jahrhunderts, durch Verfolgung, Verwendung von DDT und ähnlichen Substanzen sowie Habitatveränderungen, kommt es erst seit ca. zwei Jahrzehnten zu einer raschen Wiederbesiedlung von Mitteleuropa. Beispielsweise haben in den letzten 15 Jahren Seeadler begonnen, Österreich, Süddeutschland  und die Niederlande wieder zu besiedeln. In Österreich kam es nach dem Erlöschen des Brutbestandes um Mitte des 20. Jahrhunderts, im Jahr 1999 zu einem ersten, nicht erfolgreichen Brutversuch und 2001 schließlich wiederum zu einer erfolgreichen Seeadlerbrut in Österreich. Seither ist der Brutbestand kontinuierlich auf mindestens 14 ‐ 15 Brutpaare in den Jahren 2010 - 2012 angestiegen.

Wanderungen

Der Seeadler ist je nach Vorkommensgebiet Stand-, Strich- oder Zugvogel. Während die asiatischen Brutvögel einen ausgeprägten Zug aufweisen, sind die osteuropäischen Seeadler bis auf die nordrussischen Vögel Strich- oder Standvögel. In Mitteleuropa und an den atlantischen Küsten bleiben die Adulten ganzjährig in der Nähe des Brutplatzes, wobei die Adler im Winter nach dem Zufrieren der Gewässer weit herumstreifen können. Jungadler können schon im Juli bald nach dem Ausfliegen mehrere 100 Kilometer entfernt vom Geburtsort angetroffen werden. Aus Österreich liegen Fernfunde von Vögeln aus dem gesamten mitteleuropäischen Raum vor (Deutschland, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn), regelmäßig werden aber auch Seeadler aus Skandinavien, Russland und dem Baltikum nachgewiesen.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der Seeadler im Neusiedler See Gebiet nicht jedes Jahr beobachtet. Ab 1986 bis 1993 nahm die Zahl der jährlich aus dem Neusiedler See Gebiet gemeldeten Beobachtungen leicht zu, 1994 kam es dann zu einer sprunghaften Zunahme der Meldungen und in der Folge zu einem weiteren Anwachsen der jährlichen Nachweise bis zum Jahr 2000.

Aktuelle Erhebungen

Seit 2003 brütet alljährlich ein Paar im für Besucher gesperrten Bereich des Nationalparks auf einer künstlichen Nistplattform. Diese Vögel erbrüteten in den vier Jahren bis 2008 fünfmal zwei Jungvögel, nur 2004 blieb der Bruterfolg aus. 2009 fand keine Brut statt, 2010 - 2012 flogen nur einmal (2012) zwei Jungvögel aus. Die Jagdgebiete der Brutvögel liegen auf österreichischer Seite in erster Linie im Bereich Lange Lacke/Wörthenlacken. Der Winterbestand schwankte nach den Ergebnissen von Synchronzählungen in den Jahren 2001 - 2010 zwischen 11 und 17 Individuen, wobei in dieser Zahl auch Vögel aus dem südlicher Seewinkel sowie aus dem Hanság (sowohl österreichische als auch ungarische Seite) enthalten sind. Nach diesen 10 Jahren mit stabilen Zahlen schnellten die Zählergebnissen 2001 und 2012 mit 28 bzw. 29 Seeadlern jedoch in die Höhe, was auf außergewöhnliche winterliche Ansammlungen im österreichischen Teil des Hanság zurückzuführen war, wo sich kleinräumig auf wenigen Hektar bis zu 18 Vögel aufhielten.

Bedeutung des Vorkommens

In den Jahren 2011 und 2012 brüteten in Österreich 14 - 15 Paare des Seeadlers, jedes einzelne Vorkommen ist daher von nationaler Bedeutung. Auch der Winterbestand des Gebiets ist der zweitgrößte in Österreich und daher von nationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

In Seeadler können eigentlich das ganze Jahr über im Nationalpark gesichtet werden. Da es aber nur ein Brutpaar gibt, braucht es zur Brutzeit etwas Geduld und Glück um jagende Vögel an den Lacken oder auf den großen Weiden des Seevorgeländes beobachten zu können. Die Wahrscheinlichkeit einer Beobachtung ist im Winterhalbjahr weitaus größer, da sich, solange die Lacken und der See nicht gänzlich zugefroren sind, meist eine größere Anzahl von Seeadlern an den Lacken und im Hanság aufhält.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Ein ernstes Gefährdungspotential stellen die Vergiftungen mit Carbofuran dar. Bedauerlicherweise kam es den vergangen Jahren sowohl im Burgenland und Niederösterreich als auch im angrenzenden Ungarn zu vielen Todesfällen durch illegal ausgelegte Köder. Bei Sichtungen von, mit typisch blau verfärbtem Ködern, können Verdachtsfälle an die WWF Gifthotline unter der Telefonnummer 0676/ 444 66 12 gemeldet werden.

Eine weitere Gefährdungsquelle sind die zahlreichen Windparks auf der Parndorfer Platte und im östlichen Seewinkel, da es bereits zu tödlichen Kollisionen mit Windrädern kam.

Weiterführende Literatur

Probst, R. (2009): Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) in Österreich: Das WWF Österreich Seeadlerprojekt. Denisia 27: 29‐50.

Probst, R. & H. Peter (2009): Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) in Österreich: Eine Revision historischer Daten. Denisia 27: 19‐28.