Spießente

Anas acuta

Das Neusiedler See Gebiet ist das einzige Brutgebiet der Spießente in Österreich und neben dem Bodensee der wichtigste Rastplatz und daher von nationaler Bedeutung. Die Anzahl der Brutpaare ist jedoch gering, sodass Beobachtungen zur Zugzeit wesentlich einfacher gelingen, weil die Tiere dann auch gerne die offenen Wasserflächen der größeren Lacken nutzen.

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Merkmale

Die Spießente ist eine stockentengroße Ente, die aber einen längerem Hals und Schwanz hat und insgesamt schlanker und zierlicher gebaut ist. Sie hat einen grünen Flügelspiegel, der an der Hinterkante deutlich weiß ist. Der dunkelbraune Kopf des Spießentenmännchens im Prachtkleid ist deutlich vom Weiß des Halses und der Brust abgegrenzt. Beim Erpel sind im Prachtkleid die mittleren Schwanzfedern zu langen Spießen verlängert, woran er leicht zu erkennen ist. Der Schwanz des Weibchens ist deutlich spitz und länger als bei anderen Entenarten, was sie zusammen mit der grazileren Gestalt von ähnlich gefärbten Weibchen anderer Schwimmentenarten unterscheidet.

Lebensräume

Die Spießente besiedelt in erster Linie Stillgewässer in offenen, tiefgelegenen Landschaften, in Mitteleuropa vor allem Überschwemmungsgebiete größerer Flüsse und seichte Sodagewässer. Die Nester befinden sich zumeist an trockenen Stellen in übersichtlichen Wiesen- und Weideflächen mit niedrigem Grasbewuchs; sofern vorhanden, brütet die Spießente aber auch auf Inseln. Der Brutplatz liegt zumeist in Ufernähe, kann aber unter Umständen auch kilometerweit von der nächsten freien Wasserfläche entfernt sein.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet der Spießenten ist das größte aller Entenvögel und reicht von den Küstenregionen Islands über Eurasien bis nach Kanada, Alaska, der USA und den Südwesten Grönlands. Die Schwerpunkte dieser holarktisch verbreiteten Art liegen im Bereich der Wald- und Strauchtundra sowie in der Waldsteppe, während sie in der südlich anschließenden Steppenzone nur noch spärlich vertreten ist. In Europa brütet die Spießente vorwiegend im Norden, bereits im nördlichen Mitteleuropa gibt es nur mehr wenige Einzelvorkommen. Das Brutvorkommen in der Kleinen und Großen Ungarischen Tiefeneben, dessen Teil das Vorkommen am Neusiedler See ist, ist ein isolierter südlicher Vorposten des Brutareals.  Der Brutbestand in Europa wird auf etwa 300.000 Paare geschätzt. Etwa 90 Prozent des europäischen Brutbestands brütet auf russischem Gebiet, während sich im Westen und Norden Europas nur wenige sporadisch besetzte Brutplätze befinden.

Wanderungen

In einigen Regionen des Verbreitungsgebietes ist die Spießente ein Standvogel. Dazu gehören Großbritannien und der Nordwesten der USA. Die überwiegende Zahl der Spießenten sind aber Langstreckenzieher und überwintern in Regionen, die weit südlich des Brutgebietes liegen. Die europäischen Brutvögel und der Großteil der Brutvögel der westrussischen Tundren überwintern zum Teil im Mittelmeergebiet, zum Teil in der Sahelzone in West-, Zentral- und Ostafrika, wo die Vögel in den großen Flussniederungen in Senegal, Niger und im Tschad zu finden sind.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Das Brutvorkommen der Spießente im Seewinkel liegt am südlichen Rand des Gesamtareals der Art; mit dieser Randlage mag das seltene Auftreten der Art auch in früheren Jahrzehnten zu erklären sein. In der 2. Hälfte der 1930er Jahre  galt die Spießente als die seltenste Schwimmentenart des Seewinkels. In den Jahren 1940 - 1942 wurden einzelne Paare an acht verschiedenen Lacken festgestellt. Zu Beginn der 1950er Jahre konnte die Art an drei weiteren Lacken festgestellt werden und Mitte der 1960er Jahre sollen maximal 15 Paare vorhanden gewesen sein,  die sich auf das zentrale Lackengebiet und rund um die Lange Lacke konzentrierten. Obwohl auch diese relativ hohe Zahl für die 1960er Jahre nicht belegt ist und andere im Gebiet langfristig ansässige Beobachter betonen, dass die Art auch damals nur in wenigen Paaren vorgekommen ist,  hat sich die Situation der Spießente an den Lacken, seit den 1960er Jahren mit Sicherheit deutlich verschlechtert.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen des Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Die Spießente ist an den Lacken des Seewinkels ein sehr vereinzelter Brutvogel und fehlt im Schilfgürtel des Neusiedler Sees. In den Jahren 1985 - 2006 brütete die Art mit Ausnahme der Jahre 1991 und 2003 jedes Jahr. Der höchste Brutbestand wurde 1992 mit 7 - 9 Paaren erreicht, auch 1997 mit 4 - 6 und 2006 mit 5 - 6 Paaren waren überdurchschnittlich gute Jahre. In den Jahren 1985 - 1988 lag der Brutbestand noch jedes Jahr bei zumindest drei Paaren, in den 1990er Jahren wurden zumindest in den Jahren 1992 und 1997 noch höhere Zahlen erreicht, in den Jahren ab 2001 erfolgte jedoch ein markanter Einbruch mit 0 - 1 Paaren von 2001 - 2004. Danach folgt ein kleiner Aufschwung mit drei Paaren 2005 und sogar sechs 2006, seither (2007 - 2013) liegt der Bestand bei 1 - 3 Paaren.

Der Frühjahrszug beginnt Ende Februar, erreicht Mitte März seinen Höhepunkt und dauert bis Ende April. Mitte bis Ende März sind maximal 60 - 100 Vögel im Gebiet zu beobachten, der Spitzenwert bis 1992 liegt bei 135, in den letzten Jahren wurden am 18.3.1995 im Seewinkel 149 Exemplare gezählt und am 31.3.1994 waren an der Langen Lacke sogar an die 200 Vögel versammelt.

Der Herbstzug beginnt Mitte September und dauert bis in den Dezember und bringt jährlich sehr unterschiedliche Zahlen in den Seewinkel, zumeist übersteigt der Bestand jedoch 20 - 30 Exemplare nicht.

Bewertung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet ist das einzige Brutgebiet der Spießente in Österreich und neben dem Bodensee der wichtigste Rastplatz und daher von nationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Zur Brutzeit ist die Spießente nur vereinzelt im Nationalpark und deshalb meist nur mit viel Glück zu entdecken, am ehesten in der Bewahrungszone Lange Lacke. Einfacher sind Beobachtungen zu Zugzeiten, da die Vögel häufiger vorkommen und gerne die offenen Wasserflächen der Lacken nutzen und dann vor allem ab Mitte März bis Ende April.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Sicherung der Störungsfreiheit von Rast- und Brutplätzen.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., R. Lugitsch & H. Freundl (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. (1994a): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.