Stockente

Anas platyrhynchos

Die Stockente ist die häufigste Entenart Europas und auch im Seewinkel praktisch das ganze Jahr über in größeren Zahlen anwesend. In vielen Jahren liegt jedoch die Anzahl der Brutpaare hinter derjenigen der Löffelente, was für Mitteleuropa eine doch außergewöhnliche Situation darstellt.
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Merkmale

Die Stockente ist die bei weitem häufigste Entenart in Europa, aber nichtsdestotrotz ein sehr attraktiver Vogel: Der Erpel hat im Brutkleid einen bei Lichteinfall prächtig satt grün schillernden Kopf, der stark mit dem knallgelben Schnabel kontrastiert. Unter einem weißen Halsband sind Brust und der vordere Bauch des Männchens kastanienbraun gefärbt, der übrige Körper zeigt ein dezentes silbergraues Federkleid. Im hellgesäumten Schwanz hat der Erpel vier henkelförmig gekrümmte Federn. Die Füße sind leuchtend orangerot. Weibchen weisen ein sehr unauffälliges Gefieder aus verschiedenen Brauntönen auf, der Schnabel ist grau, braun oder weist eine orange/schwärzliche Fleckung auf. Die Männchen tragen im Juli und August ein Ruhekleid, das dem Gefieder der Weibchen ähnelt, der Schnabel bleibt allerdings gelb. Beide Geschlechter haben einen weiß eingefassten, blauen Flügelspiegel, der die Stockente schon von weitem kennzeichnet.

Lebensräume

Die Stockente besiedelt Still- und Fließgewässer fast unabhängig von Größe, Höhenlage oder menschlicher Beeinflussung. Erforderlich sind lediglich ein Mindestmaß an Deckung als Neststandort und ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Jungenaufzucht. Aber auch diesbezüglich ist die Art überaus anpassungsfähig. Die Stockente brütet an allen stehenden Gewässern von Teichen und größeren Naturseen bis hin zu kleinen Tümpeln, Wassergräben, Dorfteichen und Parkgewässern; im Gebirge ist sie selbst an weitgehend vegetationslosen Seen der subalpinen Stufe zu finden. An Fließgewässern werden ruhige Abschnitte sowie kleine Bäche, Entwässerungskanäle und selbst Gebirgsflüsse besiedelt. Auch in der Wahl der Neststandorte ist die Stockente wenig anspruchsvoll. Sie nistet sowohl im Röhricht oder in Krautbeständen der Uferzone, als auch in Wiesen, Feldern, Hecken und selbst in Wäldern, mehrere Kilometer vom Brutgewässer entfernt; im menschlichen Siedlungsbereich werden vielfach auch ausgefallene Neststandorte, wie Balkone oder Flachdächer besetzt.

Verbreitung

Global und national

Die Stockente besiedelt als holarktisches Faunenelement fast die gesamte Nordhalbkugel, von Europa über Asien bis nach Nordamerika mit Ausnahme der Tundrenzone, die nur lokal wie etwa in Island erreicht wird. In Europa fehlt sie nur in höheren Gebirgslagen. In den Alpen ist sie in offeneren Tälern bis in Höhenlagen von 1.000 Metern noch häufig. Die höchstgelegenen Brutplätze liegen in einer Höhe von etwa 2.000 Meter.

Wanderungen

Die in Ost- und Nordeuropa brütenden Stockenten sind zumeist Zugvögel und wandern ab Oktober nach Mittel-, West- oder Südwesteuropa. Die Brutvögel West- und Südeuropas sind hingegen  Standvögel. Die in Mitteleuropa beheimateten Stockenten können in der weiteren Umgebung der Brutgebiete überwintern, kürzere Wanderungen unternehmen oder auch weitere Zugbewegungen nach Südwesten zeigen. Das Zugverhalten der Vögel Mitteleuropas ist sehr stark von der Strenge des jeweiligen Winters und damit von der Verfügbarkeit geeigneter, eisfreier Überwinterungsplätze geprägt.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Für die zweite Hälfte der 1930er Jahre stellte A. Seitz fest: „In den trockenen Jahren (1934, 1935) war die Stockente die häufigste Brutente. Trotz Zunahme in den folgenden Jahren des steigenden Wasserstandes wird der Bestand zurzeit von der Schnatterente fast erreicht. Am Westufer des Sees ist die Stockente ebenfalls häufig, während hier alle anderen Arten stark zurücktreten“. Für Anfang der 1940er Jahre schreibt R. Zimmerman: „ Die Stockente ist zweifellos die häufigste der im Gebiet brütenden Entenarten. Sie scheint auch bedeutend zahlreicher als die anderen im Gebiet nistenden Schwimmenten, die offenbar in weit höherem Maße das Lackengebiet bevorzugen, im eigentlichen Seegelände zu brüten.“ Zu Beginn der 1950er Jahre heißt es kurz: „Sehr häufiger Brutvogel und Durchzügler, die weitaus häufigste Ente.“ Für Mitte der 1960er Jahre gibt es dann erste Zahlenangaben: „Häufigste Brutentenart, im Seewinkel über 200 Brutpaare, am Nord- und Westufer des Sees um ein Vielfaches mehr. Ab Juli wächst der Bestand durch Zuzügler stark an, und kulminiert Mitte September mit einem Maximum von 15.000 bis 35.000 Stück im ganzen Seewinkel. Davon befinden sich maximal zwischen 12.000 Stück und 25.000 Stück allein an der Langen Lacke“.

Aktuelle Erhebungen

Der Brutbestand der Stockente im Seewinkel schwankte in den Jahren 2001 - 2013 zwischen 40 und 140 Paaren. Die Minimalzahlen wurden in Jahren sehr niedriger Wasserstände erreicht, wie z. B. 2012 als lediglich 41 Brutpaare gezählt wurden. In Jahren mit normalen oder hohen Wasserständen brüten 100 - 140 Paare. Im Sommer (Juli-September) wurden 2011 5.000 - 7.000 Exemplare, im sehr trocknen Jahr 2012 nur 2.300 - 3.900, 2013 5.000 - 9.500 und 2014 4.600 - 8.700 Stockenten gezählt. Die für die Mitte der 1960er Jahre angegebenen Zahlen (siehe oben) werden daher derzeit bei weitem nicht erreicht.

Bedeutung des Vorkommens

Im Sommer und Herbst beherbergt das Neusiedler See Gebiet das größte Vorkommen Österreichs.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die Stockente ist zu allen Jahreszeiten an den Gewässern des Seewinkels und am Neusiedler See zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Für die Stockente bestehen derzeit im Seewinkel keine Gefährdungsmomente.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.