Sumpfohreule

Asio flammeus

Die Sumpfohreule ist in Jahren mit höheren Beständen zur Brutzeit vor allem in der Dämmerung, teilweise aber auch tagsüber gut zu beobachten. Vor allem im Nationalpark Teilgebiet Hanság sind Sichtungen recht häufig. Die Zahl der Brutpaare im Neusiedler See Gebiet erscheint mit bis zu 15 aufs erste nicht allzu hoch, das Vorkommen im Nordburgenland ist jedoch das einzige in Österreich und somit sehr wohl von großer Bedeutung. Die Sumpfohreule besiedelt offene Wiesengebiete und Brachflächen mit eingestreuter höherer Vegetation, die als Deckung dient. Gefahr droht den Nestern vor allem durch zu früher Mahd. Als nomadische lebende Art kann die Sumpfohreule rasch auf sich ändernde Nahrungsbedingungen reagieren.

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Merkmale

Die Sumpfohreule ist insgesamt der nah verwandten Waldohreule sehr ähnlich, unterscheidet sich von dieser jedoch im Flug durch den weißen hinteren Rand der Flügel, die einfarbig schwarzen Flügelspitzen (welche mit den hell weißen erscheinenden Unterseiten der Flügel stark kontrastieren), den Unterschied zwischen gestreifter Brust und weitgehend ungestreiftem Bauch und den grob gebändertem Schwanz. Im Sitzen wirkt das Gefieder der Sumpfohreule hell gelblichbraun, die Augen sind schwarz umrandet, die Iris ist gelb. Die Federohren der Sumpfohreule sind viel kürzer als bei der Waldohreule und überdies meist angelegt und daher nicht sichtbar. Die Sumpfohreule ist ungleich der Waldohreule auch tagsüber aktiv und fällt dann besonders durch ihre charakteristische, schaukelnde Flugweise mit zeitlupenartig langsamen, rudernden Flügelschlägen und eingeschobenen Gleitstrecken auf.

Lebensräume

Die Sumpfohreule besiedelt offene Landschaften, in der Flächen mit höherer Deckung bietender Vegetation eingestreut sind, oder benachbart nebeneinander vorkommen. Feuchtigkeit an sich ist keine Voraussetzung für ein Vorkommen der Sumpfohreule, so werden, z. B. auf der Parndorfer Platte, auch trockene Brachen regelmäßig besiedelt. Im Seewinkel und im Hanság lagen alle, seit 1981 bekannt gewordenen Brutvorkommen in hochwüchsigen Feuchtwiesen. Neben der Verfügbarkeit geeigneter Bruthabitate spielt die Abundanz der wichtigsten Beutetiere (Wühlmäuse) eine zentrale Rolle für die Etablierung eines Brutvorkommens. In Mittel- und Westeuropa, aber auch in anderen Teilen ihres Verbreitungsgebiets, brütet die Sumpfohreule daher nur in Jahren mit Wühlmausgradationen in einiger Zahl, in Jahren mit normalen oder niederen Kleinsäugerbeständen können auch optimale Habitate nur von wenigen Paaren besiedelt sein oder überhaupt unbesetzt bleiben. Das jährliche Auftreten im Neusiedler See Gebiet fügt sich jedenfalls in das, für das übrige Mitteleuropa beschriebene Muster.

Verbreitung

Global und national

Die Sumpfohreule kommt (mit sieben Unterarten) beinahe auf der ganzen Welt vor, sie besiedelt auch entlegenste Gebiete, wie zum Beispiel die Galápagos Inseln . In Mitteleuropa gilt sie als seltener Brutvogel dessen Bruthabitat weiträumig zerstreut liegt.

Wanderungen

Generell ist die Sumpfohreule zu allen Jahreszeiten eine sehr nomadisch lebende Art, die kurzfristig auf sich rasch ändernde Nahrungsbedingungen reagieren kann. Auch das Ausmaß des Zuges variiert von Jahr zu Jahr. In nördlichen Regionen brütende Vögel ziehen in weiter südlich gelegene Überwinterungsplätze, diejenigen von weiter südlicher gelegenen Gebieten verstreichen nur über kurze Distanzen oder verbleiben im Brutgebiet. In Wintern mit niederen Wühlmausdichten ziehen wahrscheinlich mehr Vögel in südlicher gelegene Bereiche und verbringen dort den Winter. Sofern in diesen Gebieten im darauffolgenden Frühjahr gute Wühlmaus-Dichten vorhanden sind, bleiben die Vögel auch zur Brutzeit in diesen Gebieten, kehren aber in den darauffolgenden Jahren wieder in die nördlichen Brutgebiete zurück. Daraus erklären sich auch die starken jährlichen Bestandsschwankungen in Mitteleuropa. Die Brutplätze werden im Juli und August verlassen, Jungvögel streichen zunächst ungerichtet herum. Der eigentliche Zug, der die mitteleuropäischen Vögel mehrheitlich in eine südwestliche Richtung führt, beginnt im September und erreicht im Oktober und November seinen Höhepunkt. Die winterlichen Ansammlungen beginnen sich im Februar aufzulösen; und wenn sich nicht ein Teil der Vögel zur Brut ansiedelt, verschwinden die letzten im Laufe des März, seltener erst im April. Nichtbrütende Nachzügler sind in Mitteleuropa vereinzelt noch im Mai oder Juni zu beobachten.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Aus den 1930er und frühen 1940er Jahren liegen keine Brutnachweise der Sumpfohreule aus dem Neusiedler See-Gebiet vor, doch erachteten sowohl A. Seitz als auch R. Zimmermann ein solches als wahrscheinlich. Bemerkenswert ist weiters, dass auch in der älteren Literatur kein früheres Brutvorkommen der Art im 19. Jahrhundert angegeben wurde. 1953 wurde im Seewinkel erstmals ein Nest an der Langen Lacke gefunden. Die Sumpfohreule wurde daher für die 1950er Jahre anhand verschiedener weiterer Beobachtungen als spärlicher Brutvogel in der Verlandungszone des Sees und im Lackengebiet eingestuft. Für die 1960er und 1970er Jahre wurde die Art als einzelner, nur in manchen Jahren vorkommender Brutvogel angegeben.

Aktuelle Erhebungen

Das Vorkommen auf den Zitzmannsdorfer Wiesen wird jährlich durch die Gebietsbetreuung des Nationalparks ausreichend erfasst. Im Hanság werden die Sumpfohreulen vor allem in staken Invasionsjahren neben der Gebietsbetreuung auch im Rahmen anderer Projekte erhoben.

Jahre eines ausgesprochen starken Auftretens wechseln sich mit Jahren ab, in denen die Sumpfohreule überhaupt nicht im Neusiedler See Gebiet beobachtet wird. Die Jahre 1981, 1984, 1992, 2000 und 2005 waren Invasionsjahre, in denen die Sumpfohreule in besonders großer Zahl im Gebiet auftrat. Dazwischen lagen längere Abschnitte, in denen die Art überhaupt nicht nachgewiesen werden konnte. Sehr auffällig ist z. B. ihr Fehlen in den Jahren 1985 - 1988 und 1990 - 1991. Nach dem bisher stärksten Auftreten im Jahr 1992 brütete die Sumpfohreule auch in den Jahren 1993 - 1997 alljährlich entweder im Seewinkel und/oder auf den Zitzmannsdorfer Wiesen. In Invasionsjahren wie 1981 oder 1992 und 2015 treffen die ersten Sumpfohreulen in der zweiten Februar-Hälfte im Gebiet ein, in wenigen, auf die Invasionen folgenden Jahren, überwinterten einige Vögel im Gebiet, so z. B. in den Jahren 1993 - 1996. Das Brutvorkommen auf den Zitzmannsdorfer Wiesen ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Zwischen 1981 und 2011 brüteten hier in den meisten Jahren 1 - 2, selten auch drei Brutpaare. Andere Gebiete im zentralen Seewinkel sind viel unregelmäßiger besetzt, wie z. B. die Hutweide um den Xixsee oder der Arbestau. Ein weiteres fast schon stetiges Vorkommen liegt in der Bewahrungszone Hanság. Die vorliegenden Daten seit den 1960er Jahren zeigen, dass der Hanság in den letzten fünf Jahrzehnten in der Mehrzahl der Jahre brütende Sumpfohreulen beherbergte, deren Zahl allerdings stark schwankte. Während es in einigen wenigen Jahren vermutlich zu keinen Bruten kam, waren zumeist 1 - 3 und öfters 4 - 5 Paare vorhanden. In zumindest drei Jahren (1977, 1992 und 2005) lag der Brutbestand sogar bei 9 - 10 Paaren. Fast durchgehend sehr gute Bestände konnten dann in den Jahren 2011 - 2014 festgestellt werden, nur 2013 war das Brutvorkommen nicht besetzt. 2011 wurden 7 - 8 Paare gezählt, 2012 dann 10 - 13, von denen fünf erfolgreich brüteten und 2014 dann sogar die Rekordzahl von 21 - 22 Brutpaare, von denen zumindest 12 erfolgreich gebrütet haben.

Bedeutung des Vorkommens

Das Brutvorkommen im Neusiedler See-Gebiet und im Hansag ist, gemeinsam mit  dem Vorkommen auf der Parndorfer Platte und dem Heideboden, das einzige in Österreich und deshalb von nationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Im Nationalpark kommt die Sumpfohreule in den Bewahrungszonen Hanság und Zitzmannsdorfer Wiesen vor. Nur in Invasionsjahren, in denen sich dort viele Brutpaare aufhalten, sind sie, am besten zu Dämmerungszeiten, leicht  zu beobachten. Nach einem der starken Invasionsjahre, bleiben meist einige Exemplare im Gebiet um hier zu überwintern.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Wie für viele Bodenbrüter, ist die größte Gefahr eine zu frühe Mahd oder intensive Beweidung bewirtschafteter Grünland- und Ackerflächen. Im Nationalpark brütet die Sumpfohreule in den Bewahrungszonen Hanság und auf den Zitzmannsdorfer Wiesen. Für ihren Fortbestand als Brutvogel im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel ist deshalb in erster Linie ein intensives Monitoring während der Brutzeit notwendig, um die Nester zu schützen, langfristig ist die Erhaltung der ausgedehnten (Feucht)Wiesen- und Brachengebiete ausschlaggebend.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., R. Lugitsch & H. Freundl (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Buchebner, W. (1954): Vogelbeobachtungen am Neusiedlersee. Vogelkundliche Nachr. aus Österreich 4: 19-23

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.