Trauerseeschwalbe

Chlidonias niger

Die Trauerseeschwalbe ist im Neusiedler See Gebiet ein regelmäßiger Durchzügler zu beiden Zugzeiten. Die größten Trauerseeschwalben-Trupps sind einerseits an den größeren Lacken, vor allem am Sankt Andräer Zicksee, an der Langen Lacke und am Illmitzer Zicksee zu sehen, andererseits wurden in den letzten Jahren am Frühjahrszug regelmäßig sehr große Trupps in den Weidegebieten (Graurinderkoppel und Wasserstätten) festgestellt.

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Merkmale

Im Prachtkleid sind Kopf und Körper der Trauerseeschwalbe schwarz, die Oberseite ist einfarbig dunkelgrau. Bei mausernden Altvögeln sind Kopf und Unterseite weiß gefleckt. Im Schlichtkleid sind eine auffällige schwarze Kappe sowie Brustseitenflecke charakteristisch, ansonsten ist die Unterseite weiß und die Oberseite grau. Das Jungendkleid ist ähnlich, aber an der Oberseite mit deutlicher Schuppung versehen. Im Schlichtkleid kann die Trauerseeschwalbe mit jungen Flussseeschwalben verwechselt werden, Unterscheidungsmerkmale sind u.a. der weniger gekerbte Schwanz, die Brustseitenflecke, die geringere Größe sowie (am auffälligsten) die völlig andere Flugweise.

Lebensräume

Die Trauerseeschwalbe brütet an Stillgewässern oder in feuchten Niederungslandschaften. Günstige Voraussetzungen bieten im Binnenland eutrophe Teiche, Altwässer und Sumpfwiesen, es werden aber auch größere ruhige Seen sowie flache Sumpf- und Verlandungsseen besiedelt. Wichtig ist eine geringe Vegetationshöhe zu Beginn der Brutzeit, da die Brutplätze knapp über der Wasseroberfläche, in stillen Buchten der Verlandungszonen liegen. Die Nester können auf Bülten in offenem Wasser oder im Röhricht errichtet sein, oder es handelt sich um Schwimmnester, die auf Algenmatten, auf Blättern von schwimmenden Pflanzen aber auch auf vom Wind zusammengetriebenen Schilf- und Rohrkolbenhalmen gebaut werden. Während des Zuges ist die Trauerseeschwalbe an Meeresküsten wie auch an Brack- und Süßwasser anzutreffen. Sind solche Gebiete störungsfrei und nahrungsreich, dann verweilen Durchzügler oft längere Zeit, zumeist ist ihr Aufenthalt aber zumindest im Binnenland nur von sehr kurzer Dauer.

Verbreitung

Global und national

Die Trauerseeschwalbe brütet in Eurasien vom westlichen Europa ostwärts bis an den Jenissej und in die östliche Mongolei. In der Nearktis brütet die Art in der Unterart surinamensis in den nördlichen Vereinigten Staaten sowie im südlichen Kanada. Das europäische Brutareal wird im Norden von der Ostsee und dem Baltikum begrenzt, nur wenige Paare brüten in Südschweden und im Süden Finnlands. Der europäische Brutbestand wurde Mitte der 1990er Jahre auf 47.000 - 88.000 Paare geschätzt. Die größten Bestände finden sich in Weißrussland mit 6.000 - 22.000 Paaren, in Russland mit 20.000 - 30.000 Paaren, in Polen mit 5.000 - 7.000 Paaren und in der Ukraine mit 3.500 - 5.000 Paaren.

Wanderungen

Die Trauerseeschwalbe ist ein Weitstreckenzieher und überwintert entlang der afrikanischen Westküste vom Senegal im Nordwesten bis Namibia im Süden. Der Wegzug dauert in Mittel- und Westeuropa mehr als drei Monate, kann schon Ende Juni beginnen und zieht sich bis Mitte/Ende September. Bemerkenswert ist, dass sich der Großteil der Weltpopulation der Art im Herbst auf zwei Rastgebiete konzentriert, zum einen ist das das Ijsselmeer in den Niederlanden, wo mehrere 100.000 rasten, zum anderen das Asowschen Meer in der Ukraine, wo ebenfalls Konzentrationen von vielen zehntausend Vögeln registriert wurden. Von hier fliegt die Mehrzahl der Vögel wahrscheinlich in einem Nonstop-Flug direkt ins Winterquartier. Der Beginn des Abzugs fällt im Ijsselmeer auf Mitte September und endet Ende Oktober. Der nördlichste Teil des Winterquartiers wird bereits ab Anfang August erreicht, der südlichste, in Namibia erst im Dezember. Nach einem, im Schnitt fünfmonatigem Aufenthalt in den afrikanischen Küstengewässern beginnen die Trauerseeschwalben im März mit dem Heimzug. Der Frühjahrszug in Mitteleuropa beginnt Ende April und dauert bis Ende Mai.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den meisten relevanten Quellen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird die Trauerseeschwalbe als häufiger oder gemeiner Brutvogel bezeichnet. In den frühen1940er Jahren wurde die Trauerseeschwalbe als häufiger Brutvogel des Neusiedler See Gebiets eingestuft, obwohl in den 1930er Jahren keine konkreten Brutnachweise bekannt wurden. 1941 gelang ein konkreter Brutnachweis im überschwemmten Seevorgelände, auf Höhe zwischen Unterem und Oberem Stinkersee. Ein weiterer Brutnachweis wurde aus dem Jahr 1951 gemeldet, mit insgesamt 20 Nestern in der landseitigen Verlandungszone südlich von Weiden. An derselben Stelle wurde bereits 10 Jahre zuvor ein Brutvorkommen vermutet. In den frühen 1950er Jahrenwurde die Trauerseeschwalbe als wohl alljährlichen Brutvogel mit wechselndem Brutplatz eingestuft. Für die darauf folgenden Jahre 1956 - 1958 sowie 1965 (20 - 21 Paare) werden im Handbuch der Vögel Mitteleuropas weitere Brutvorkommen angegeben. Die sind gleichzeitig auch die letzten Brutangaben für den Seewinkel.

Aktuelle Erhebungen

Die Trauerseeschwalbe ist im Neusiedler See Gebiet ein regelmäßiger Durchzügler zu beiden Zugzeiten. Im Frühjahr setzt der Heimzug, nach einzelnen Vögeln Anfang April, um die Monatsmitte ein und erreicht in den ersten drei Mai-Pentaden sein Maximum, mit im Schnitt 50 - 100 Exemplaren und Spitzen von 150 - 300 Individuen. Ein ganz außerordentlicher Einflug ereignete sich Mitte Mai 1979, als am 7.5. an der Langen Lacke „Hunderte“ Trauerseeschwalben beobachtet wurden, und sich am 15.5. im Raum Lange Lacke/Wörthenlacken ca. 1.000 Exemplare aufhielten. Auch im Juni halten sich noch Trauerseeschwalben im Gebiet auf, die Truppgrößen liegen in diesen Wochen aber zumeist unter 30 - 40 Exemplaren. Der Wegzug beginnt bereits wieder Anfang Juli und dauert bis Ende September/Anfang Oktober an, mit einzelnen Nachzüglern in den späten Oktobertagen. Der Zug erreicht zwischen Mitte und Ende August das Maximum. Die Truppgrößen im Spätsommer und Herbst liegen zumeist unter 15 Vögeln und erreichen nur ausnahmsweise 50 Exemplare. Die ersten Jungvögel werden Mitte Juli beobachtet. In den Daten lässt sich aber kein ausgesprochener Gipfel des Jungvogelzugs erkennen. Die Frühjahrsmaxima lagen 2011 bei ca. 200, 2012 bei ca. 55, 2013 bei 100 - 140 und 2014 bei 60 - 120 Exemplaren, war also in den letzten vier Jahren bestenfalls durchschnittlich. Am Wegzug wurden 2012 und 2014 jeweils maximal 30 Individuen gezählt, 2011 und 2013 zogen nur einzelne Vögel oder sehr kleine Trupps durch.

Bedeutung des Vorkommens

Obwohl die Trauerseeschwalbe auch in anderen Teilen Österreichs bisweilen in größeren Trupps auftreten kann, ist das Neusiedler See Gebiet der mit Abstand am regelmäßigsten von größeren Gruppen genutzte Rastplatz.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die größten Trauerseeschwalben-Trupps sind einerseits an den größeren Lacken, vor allem am Sankt Andräer Zicksee, an der Langen Lacke und am Illmitzer Zicksee zu sehen, andererseits wurden in den letzten Jahren am Frühjahrszug regelmäßig sehr große Trupps in den Weidegebieten (Graurinderkoppel und Wasserstätten) festgestellt.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Rastplätze im Seewinkel sind als Teil des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel zumindest theoretisch vor negativen Eingriffen geschützt. Allerdings kam es in den letzten Jahrzehnten aufgrund des durch niedere Grundwasserstände verursachten „Lackensterbens“ zu einem nicht zu unterschätzenden Verlust an Rastmöglichkeiten. Diese besonders niedrigen Grundwasserstände in den oft über mehrere Jahre hinweg andauernden Trockenphasen, sind vermutlich im Wesentlichen auf Wasserentnahmen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen zurückzuführen. Im gesamten Neusiedler See-Gebiet sollte durch natürliche Wasserstandsschwankungen eine möglichst große Amplitude an Wasserständen gegeben sein, um die kurzfristige Entstehung günstiger Rastmöglichkeiten zuzulassen.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. (1994): Möwen und Seeschwalben. Pp. 177-194 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.