Tüpfelsumpfhuhn

Porzana porzana

Das Brutvorkommen des Tüpfelsumpfhuhns im Neusiedler See Gebiet ist das mit Abstand bedeutendste und größte der Art in Österreich. Wie alle Rallen ist auch das Tüpfelsumpfhuhn schwierig zu beobachten. Während man zu Brutzeit bestenfalls damit rechnen kann, die lauten nächtlichen Rufe zu hören (gute Gebiete sind etwa der Geiselsteller nordwestlich von Illmitz, aber auch der Hanság bei hohen Wasserständen), stehen die Chancen zur Zugzeit besser. Um die Art im August und September zu beobachten, sollten die Ränder von Schilfflächen, besonders wenn sie schmale Schlickflächen aufweisen, geduldig abgesucht werden. Gute Gebiete dafür sind das Sandeck und die Warmblutpferdekoppel.
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Merkmale

Die Oberseite, der Nacken und der Oberkopf weisen eine dunkelbraune bis olivbraune Färbung auf. Die Flanken und die Bauchseite sind deutlich heller, meist blaugrau bis graubraun gefärbt. Am Innenrand der Flügel zeigt sich eine fahlgelbe Streifung, ansonsten ist das Obergefieder mit einer Vielzahl an namensgebenden weißlichen Flecken und Kritzeln durchzogen. Diese Musterung setzt sich auch an den Flanken und der Bauchseite fort. Die Muster der Bauchseite gehen in kleine Punkte über. Die Unterschwanzdecke des Tüpfelsumpfhuhns ist gelblichbraun. Der Schwanz ist wie bei allen Sumpfhühnern ausgesprochen kurz. Der Schnabel weist eine gelbliche Färbung mit tiefroter Basis auf. Die Extremitäten sind gelblichgrün gefärbt. Die Zehen sind sehr lang und enden in kleinen Krallen. Drei Zehen weisen nach vorne, eine kleine und stark verkümmerte nach hinten. Juvenile Vögel ähneln den Erwachsenen, jedoch ist ihre Bauchseite etwas heller gefärbt. Sehr auffällig sind die, nur in der Dämmerung und in der Nacht zu hörenden peitschenartigen Rufe, die entweder einzeln oder häufiger, in langen Rufreihen zu hören sind.

Lebensräume

Das Tüpfelsumpfhuhn brütet in Feuchtgebieten mit dichter, niedriger, oft in Bülten wachsender Vegetation und seichtem, 20 cm nicht überschreitendem Wasserstand. Für die Art günstige Verhältnisse finden sich im Neusiedler See-Gebiet z. B. in den landseitigen Bereichen von größeren Röhrichten und im Bereich stärker verlandeter Lacken. Typische Brutbiotope sind offene, locker mit Schilf bewachsene Kleinseggenriede mit eingestreuten Bülten, Bestände des Schneid-Rieds und Bestände aus diversen Seggen-, Binsen- und anderen Grasarten; weiters werden lockere Schilf- und Rohrkolbenbestände, die eine dichte Unterschichte aus den oben genannten Arten aufweisen, besiedelt. Der wichtigste Habitatfaktor ist in jedem Fall der Wasserstand, da das Tüpfelsumpfhuhn sowohl Gebiete mit zu tiefem Wasser als auch Gebiete ohne anstehendes Wasser nicht besiedelt. Bei schneller Austrocknung werden Gelege verlassen. Andererseits können bei später Überflutung noch im Juni neue Lebensräume besiedelt werden, wie auch die bisherigen Beobachtungsdaten aus dem Seewinkel mit regelmäßigen Nachweisen rufender Vögel aus dem Juni zeigen. Da geeignete Wasserstandsverhältnisse an einer bestimmten Stelle oft nur für kurze Zeit vorhanden sind, ist die Art vorwiegend in größeren Feuchtgebieten zu finden, wo in Reaktion auf das Sinken oder Steigen des Wasserspiegels kleinräumige Verlagerungen möglich sind.

Verbreitung

Global und national

Das Brutareal des Tüpfelsumpfhuhns umfasst die westliche und zentrale Paläarktis. Im Westen reicht das Verbreitungsgebiet bis Frankreich, die Britischen Inseln und Nordspanien; im Norden Europas bis in den Süden der Skandinavischen Halbinsel und das südliche Finnland, im Osten bis Burjatien und Sinkiang im Nordwesten Chinas. Die Südgrenze des Brutgebiets verläuft durch den Norden Kasachstans und Südrussland, auf der Balkanhalbinsel ist die Art bis Bulgarien und Mazedonien, auf der Apenninen-Halbinsel nur im Norden verbreitet. In West-, Mittel und Südeuropa brütet das Tüpfelsumpfhuhn überall nur sehr lokal und tritt oft nur unregelmäßig auf.

Wanderungen

Das Tüpfelsumpfhuhn ist Zugvogel. In geringer Zahl überwintert es in den gemäßigten Teilen Europas, etwas häufiger in Südeuropa, Israel und Nordafrika, während das Haupt-Überwinterungsgebiet in West-, Ost- und Südostafrika sowie auf dem Indischen Subkontinent liegt. Der Abzug aus den Brutgebieten kann schon im Juli beginnen, viele Vögel verweilen aber im Brutareal, um dort zu mausern. Jungvögel beginnen erst im August/September abzuziehen. Die ersten Heimzügler treten im Neusiedler See Gebiet in den ersten April-Tagen auf.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1930er Jahren dürfte die ökologische Situation der Art im Neusiedler See Gebiet ähnlich wie in den Jahren 2003 - 2005 gewesen sein, wenn gleich die Wasserstände damals noch um einen halben Meter niedriger waren. Bei sehr niederem Wasserstand werden große Teile des Schilfgürtels für das Tüpfelsumpfhuhn besiedelbar, während am landseitigen Seerand, sowie im Seewinkel das Lebensraumangebot ungünstig ist. So schrieb O. Koenig: „Als der Wasserstand des Sees in den Jahren 1934 und 1935 noch so niedrig war, dass der Schilfgürtel kilometerweit trocken lag, hausten unzählige dieser schönen Vögel in den stillen Rohrwäldern. Gebiet grenzte an Gebiet und wenn die Hühnchen abends im Schutz des Dämmerlichtes auf die freien Schlammflächen liefen, sah man 5 - 6 gleichzeitig. Aber schon 1936 waren sie infolge des steigenden Seespiegels seltener und 1937 konnte ich überhaupt keines mehr beobachten.“ In den Jahren 1940 und 1942 fand sich die Art bei viel höheren Wasserständen in den feuchten Wiesen im Vorgelände des Sees am West- und Nordwestufer. 1941 wurde es vereinzelt auch im Seewinkel verhört. In den frühen 1950er Jahren war das Tüpfelsumpfhuhn ein ziemlich häufiger und verbreiteter Brutvogel des Sees und im Seewinkel, aber spärlicher an manchen Lacken zu finden. In den 1960er Jahren wurde das Tüpfelsumpfhuhn als „verbreitete Erscheinung sowohl in den landseitigen Verlandungszonen des Sees als auch vieler Lacken“, bezeichnet.

Aktuelle Erhebungen

Am Neusiedler See halten sich rufende Männchen in Jahren hohen Wasserstandes in den landseitigen Teilen des Schilfgürtels und in der Nähe von Dämmen auf, besonders an Stellen wo die Schilfbestände bereits ausdünnen und ein dichter, horstartiger Bewuchs mit Seggen, Binsen und Teichsimsen vorhanden ist. Nachweise seit 1981 stammen von Neusiedl, Jois, Winden, Breitenbrunn, Purbach, von der Wulkamündung, Oggau, Rust, vom Neudegg, von der Biologischen Station und südlich der Hölle. Fast alle Meldungen beziehen sich auf jeweils nur rufende Vögel, kleinere Rufergruppen von drei bzw. vier bis fünf Tüpfelsumpfhühnern wurden nur selten registriert. Das wichtigste Vorkommen mit zumindest zehn rufenden Exemplaren fand sich bei Purbach. Hier sind großflächig geeignete Lebensräume vorhanden, der tatsächliche Bestand könnte daher um ein Mehrfaches höher sein. Vier Rufer wurden einmal in der Verlandungszone südlich von Oggau festgestellt. Kleine Rufergruppen von jeweils vier Rufern wurden schon beim Neudegg, bei Winden und bei Breitenbrunn festgestellt. Es wurde bislang erst einmal, im Jahr 2006, zumindest in Teilgebieten eine systematische Bestandsaufnahme durchgeführt, die 25 rufende Tüpfelsumpfhühner in der Verlandungszone des Neusiedler Sees ergab. Zieht man in Betracht, dass solche Zählungen, der immer nur sehr kurzfristig (vor der Verpaarung) rufenden Männchen, immer eine deutliche Unterschätzung darstellen, könnte der Bestand in Jahren guter Wasserstände bei mehr als 100 Brutpaaren liegen.

Im Seewinkel ist die Art in feuchten Jahren, wenn großflächig überschwemmte Pflanzenbestände mit Kleinseggen und anderen niederwüchsigen Arten der Verlandungszonen zur Verfügung stehen, vermutlich recht verbreitet. Während in trockenen Jahren nur einzelne Rufer festzustellen sind, werden in Jahren höheren Wasserstandes bisweilen 10 - 25 rufende Individuen/Jahr gemeldet.

Bedeutung des Vorkommens

Das Brutvorkommen im Neusiedler See Gebiet ist das mit Abstand bedeutendste und größte in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Tüpfelsumpfhühner sind schwierig zu beobachten. Während man zu Brutzeit bestenfalls damit rechnen kann, die lauten nächtlichen Rufe zu verhören (gute Gebiete sind etwa der Geiselsteller nordwestlich von Illmitz, aber auch der Hanság bei hohen Wasserständen), stehen die Chancen zur Zugzeit besser. Um die Art im August und September zu beobachten, sollten die Ränder von Schilfflächen, besonders wenn sie schmale Schlickflächen aufweisen, geduldig abgesucht werden – früher oder später könnte hier für einen Moment ein Tüpfelsumpfhuhn auftauchen. Gute Gebiete dafür sind das Sandeck (vom großen Beobachtungshochstand aus) und die Warmblutpferdekoppel (von der Beobachtungshütte aus).

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Seit der letzten Trockenphase zu Beginn der 2000er Jahre, hat sich vielerorts gerade die landseitige Seggen/Schilfzone des Neusiedler Sees in einer Weise verändert, dass vermutlich weite Teile des ehemaligen Lebensraums für die Art nicht mehr nutzbar sind. In erster Linie ist hier einerseits durch die Erhöhung der Wasserstände eine Verdichtung der Schilfbestände feststellbar, was wiederum dazu führt, dass diese Gebiete nunmehr regelmäßigen geschnitten werden. Am landseitigen Schilfrand sind daher Maßnahmen zu ergreifen, die eine Auflockerung und Auflichtung der Schilfbestände bewirken. Insbesondere sind hier an geeigneten Stellen extensive Beweidungsflächen einzurichten. Ein solches Projekt am Ostufer des Sees nördlich von Podersdorf hat zur Ansiedelung von rufenden Tüpfelsumpfhühnern in der landseitigen Seerandzone geführt, und zwar an einer Stelle, die bis dahin für ein Vorkommen der Art offenbar nicht geeignet war.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M., E. Nemeth, S. Tebbich, M. Rössler & K. Busse (1997): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl schilfbewohnender Vogelarten in der Naturzone des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 86: 1-69.

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Festetics, A. & B. Leisler (1970): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (III. Teil: Möwen- und Watvögel, IV. Teil: Sumpf- und Feldvögel). Wiss. Arb. Burgenland 44: 301-386.

Koenig, O. (1943): Rallen und Bartmeisen. Beiträge zur Biologie und Psychologie auf Grund von Beobachtungen am Neusiedler See. Niederdonau/Natur und Kultur 25. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.