Weißstorch

Ciconia ciconia

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt rund 10% des gesamten Brutbestandes des Weißstorchs in Österreich. Während der Brutzeit von Anfang April bis in den August sind die Weißstörche auf den Dächern vieler Nationalparkgemeinden gut zu beobachten. Sie brüten z.B. in jeweils mehreren Paaren in Illmitz und Apetlon, wo sie ihre Horste meistens auf den Rauchfängen der Häuser errichten.
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Merkmale

Der Weißstorch ist der bekannteste Großvogel Mitteleuropas und durch Größe, schwarz-weiße Gefiederfärbung, sowie roten Schnabel und rote Beine unverwechselbar. Im Flug ist er durch den gestreckten Hals und die, den Schwanz weit überragenden Beine von Pelikanen, die ähnliches Schwarz/Weiß-Muster aufweisen, zu unterscheiden. Nur manchmal, an heißen Tagen, werden die roten Beine angekotet, um besser vor Parasiten geschützt zu sein. Dann sehen die Störche aus, als würden sie strahlend weiße lange Strümpfe tragen. Auffallend ist das Klappern, das die Partner am Horst zur Begrüßung oder auch als Abwehr für Konkurrenten mit dem Schnabel hervorbringen.

Lebensräume

Die Lebensräume des Weißstorchs in Mitteleuropa liegen in offenen oder halboffenen Landschaften der Niederungen und des Hügellandes mit Einzelbäumen und Feldgehölzen und nicht zu hoher Bodenvegetation. Besonders günstig sind regelmäßig überschwemmte Grünlandgebiete der Ebenen, wo sich offenes Wasser in seicht überschwemmten Flächen, Sümpfen oder Feuchtwiesen bis lang in den Sommer hinein halten kann. Der Seewinkel und die Randzonen des Neusiedler Sees erfüllen damit die Habitatanforderungen des Weißstorchs besonders gut. Zum Nahrungserwerb werden vor allem Streu- und Mähwiesen, Weiden, niedrige Verlandungsvegetation und Flachwasserbereiche aufgesucht, kurzfristig werden auch niederwüchsige Ackerflächen genutzt. Am Westufer des Neusiedler Sees bei Rust entfiel beispielsweise fast die Hälfte aller Nahrungsflüge auf Wiesen, zu ca. 23% wurden Äcker aufgesucht und zu jeweils rund 15% flach überschwemmte Verlandungszonen und Weingärten. Die Wahl der Nahrungsflächen verändert sich dabei im Jahresverlauf, so wurden im April zu ca. 80% Wiesen genutzt, im Mai und Juni aber nur mehr zu 55 - 60% und im Juli werden dann frisch gepflügte Äcker mit ca. 80% zum wichtigsten Nahrungsbiotop. Die Neststandorte im Neusiedler See Gebiet liegen fast ausschließlich auf höheren Gebäuden, nur ausnahmsweise werden in Österreich auch Masten (z.B. in Pamhagen) genutzt.

Verbreitung

Global und national

Das Areal der Nominatform des Weißstorchs reicht von Nordwestafrika über Spanien und Frankreich bis in die Ukraine und ins westliche Russland, im Südosten brütet die Art über Kleinasien bis nach Armenien und Aserbeidschan, den Irak und in den nordwestlichen Iran. Die zweite Unterart asiatica besiedelt Zentralasien vom Süden Kasachstans bis Sinkiang in Westchina. Wie beim Schwarzstorch brüten einzelne Paare auch im Winterquartier in Südafrika. In Europa besiedelt der Weißstorch in Fortsetzung des nordafrikanischen Areals Portugal und Spanien und brütet dann, durch eine Verbreitungslücke getrennt, von den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz ostwärts bis Russland. Die heutigen Brutvorkommen in Holland, Ostfrankreich und vor allem in der Schweiz gehen überwiegend auf Wiedereinbürgerungsprogramme zurück, diese Vögel breiten sich mittlerweile auch nach Süddeutschland, Vorarlberg und Oberitalien aus. Der europäische Gesamtbestand wurde zu Beginn der 1990er Jahre auf 120.000 - 160.000 Brutpaare geschätzt.

Wanderungen

Weißstörche sind Weitstreckenzieher und können in Europa aufgrund ihrer Zugwege in „Weststörche“, die über Gibraltar nach Westafrika ziehen (vor allem die Populationen Frankreichs, des westlichen Deutschlands, der Niederlande, der Schweiz, der Iberischen Halbinsel und Nordafrikas) und „Oststörche“, die über den Bosporus und über den Sudan nach Ost-, Zentral- und Südafrika ziehen (alle anderen europäischen Weißstörche), eingeteilt werden. Das Winterquartier der westlichen Population liegt in Westafrika südlich der Sahara. Das, der übrigen europäischen Weißstörche zieht sich von den Savannen Ost- und Zentralafrikas bis nach Südafrika. Die Ankunft der Brutvögel erfolgt ab Mitte März bis Anfang April. Der Abzug beginnt Mitte August. Die Weißstörche im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel zählen zu den Ostziehern.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den Jahren 1934 bis 1939 brüteten im Neusiedler See Gebiet 47 - 78 Paare. Nach dem 2. Weltkrieg wurden 1948 34 und 1950 36 Paare gezählt.

Aktuelle Erhebungen

Der Weißstorch brütete in den Jahren ab 2001 in 13 Ortschaften um den Neusiedler See. Der Brutbestand schwankte in diesem Zeitraum stark zwischen einem Tief von 26 Paaren im Jahr 2005 und einem Maximum von 44 Paaren im Jahr 2000. In den meisten Ortschaften finden sich nur jeweils 1 - 2, selten drei Paare, regelmäßig drei oder mehr Paare brüteten seit 2001 nur in Oggau, Apetlon, Illmitz und Rust. Auffällig ist vor allem der markante Rückgang in Illmitz, wo noch 1995 - 1999 mehr Paare als in Rust brüteten, das aber 2005 in Bezug auf die Paarzahl auf die dritte Stelle zurück gefallen ist. 2003 - 2011 brüteten in Illmitz nur mehr 3 - 4 Paare, während es in den Jahren 1993-2001 noch 9 - 13 waren. In Podersdorf gab es in den letzten Jahren nur mehr ein einziges Brutpaar, in Apetlon waren es 2001 - 2006 jeweils 4 - 5, 2008 - 2010 sogar jeweils 5 - 7, 2011 brüteten jedoch nur mehr vier Paare. Betrachtet man die Bestandsentwicklung seit 1995 für das gesamte Gebiet sowie für den Seewinkel und den Rest des Neusiedler See Gebietes getrennt, wird die ungünstige Entwicklung im Seewinkel besonders deutlich: Die Jahre 2000 und 2001 waren im Neusiedler See Gebiet sehr gute Storchenjahre mit jeweils über 40 Paaren, ab 2003 bewegte sich der Brutbestand dann auf einem viel niedrigeren Niveau von 30 und weniger Paaren. Dieser Rückgang beruht ausschließlich auf der ungünstigen Entwicklung im Seewinkel, wo in allen drei Gemeinden Rückgänge festzustellen sind. Betrachtet man das West- und Ostufer des Neusiedler Sees für sich allein so zeigt sich, dass im Westen in den letzten Jahren eher eine leichte Zunahme festzustellen war.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergte in den Jahren 1995-2006 8,3 - 10,9% des österreichischen Brutbestandes des Weißstorches und ist daher als national bedeutendes Brutgebiet für die Art einzustufen.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Während der Brutzeit sind die Weißstörche auf den Dächern vieler Nationalparkgemeinden gut zu beobachten. Sie brüten z.B. in jeweils mehreren Paaren in Illmitz und Apetlon, wo sie ihre Horste meistens auf den Rauchfängen der Häuser errichten, vereinzelt auf Masten. Auf den umliegenden Grünlandflächen und Äckern sieht man sie regelmäßig bei der Nahrungssuche, wobei sie gerne  den landwirtschaftlichen Maschinen hinterher marschieren um aufgescheuchte Insekten, Reptilien und Mäuse zu fangen.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Weißstörche sind im Nationalpark zurzeit nicht gefährdet. Neben den Horsten sind die wichtigsten Faktoren die Nahrungsflächen, das heißt es müssen ausreichend feuchte nicht zu hoch bewachsene Grünlandflächen in Ortsnähe zur Verfügung stehen. 

Weiterführende Literatur

Aumüller, S. (1949): Der Bestand des Weißen Storches im Burgenland in den Jahren 1934-38. Burgenländische Forschungen 6.

Aumüller, S. (1951): Ergebnisse der Storchbestandsaufnahme 1950 im Burgenland. Arbeiten der Biol. Station Neusiedler See 3. Burgenländische Forschungen, Sonderheft.

Frühstück, H. (1981): Populationsdynamik des Weißstorches, Ciconia ciconia L., im Burgenland. Wiss. Arb. Burgenland 63: 35-50.

Frühstück, H. (1989): Zur Situation und Bestandsentwicklung des Weißstorchs im Burgenland. Vogelschutz in Österreich 4: 26-28.

Ranner, A. (1989): Zur Habitatnutzung und Ernährung der Ruster Weißstörche (Ciconia ciconia L.). Dipl.Arb. Univ. Wien.

Ranner, A. (1995): Das Raum-Zeit-System der Weißstörche (Ciconia ciconia) in Rust (Burgenland, Österreich): der Einfluß des Nahrungsangebots auf die Verteilung und die Bestandsentwicklung der Störche. Diss. Univ. Wien. 102 pp.

Seitz, A. (1940): Der Hausstorchbestand im Burgenland (Gau Niederdonau) 1934-1939. Beitr. z. Fortpflanzungsbiol. Vögel 16: 87-92.

Triebl, R. & Frühstück, H. (1979): Erhebungen über den Weißstorch (Ciconia ciconia) im Burgenland von 1963-1973. Natur u. Umwelt im Burgenland, Sonderheft. 29 pp.