Wiedehopf

Upupa epops

Der Wiedehopf ist an seinen typischen Rufen "hup hup hup" weithin hörbar und auch gut erkennbar. Seine schwarzweiße Gefiederzeichnung, die aufstellbare Federhaube und der schmetterlingshafte Flug machen ihn  aber auch optisch gut bestimmbar.
Seine hauptsächlich aus Insekten und Würmern bestehende Nahrung sucht er vorzugsweise auf kurzrasigen oder vegetationsarmen Flächen. Vor allem entlang des Seedamms zwischen Podersdorf und Sandeck findet der Wiedehopf geeigneten Lebensraum vor. In dieser reich strukturierten Kulturlanschaft findet er auch ausreichend Baumhöhlen die er zur Brut nutzt. Die ersten Wiedehöpfe treffen Ende März bei uns ein, ab August nehmen die Beobachtungen dann wieder ab, letzte Exemplare sind aber bis in den Oktober zu sehen.
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Merkmale

Der Wiedehopf ist unverkennbar. Charakteristisch sind die etwa fünf bis sechs Zentimeter lange aufrichtbare Federhaube, der lange gebogene Schnabel und die Federzeichnung. Letztere ist sehr kontrastreich, mit schwarz-weiß gebänderten Flügeln, die deutlichen sichtbare gelbe Einschlüsse haben und an den Enden in einem weiß-schwarzen Muster auslaufen. Der Schwanz hat eine breite weiße Binde und ist ansonsten schwarz und hat eine weiße Zeichnung auf der Schwanzwurzel. Der restliche Körper ist rostbraunrot. Unverkennbar ist der Wiedehopf auch im Flug, wo die breiten, tief gefingerten Flügel wellenförmig, ja fast schmetterlingsartig gaukelnd, nach jedem Schlag fast angelegt werden. Männchen und Weibchen sind kaum zu unterscheiden. Die unverpaarten Männchen sind zu Beginn der Brutzeit sehr rufaktiv und ihr charakteristisches, meist dreisilbig vorgetragenes und namensgebendes „whop whop whop“ ist unverkennbar und weit zu hören.

Lebensräume

Der Wiedehopf besiedelt warme, trockene Landschaften, die nicht zu dicht von Gehölzen bestanden sind. Essentiell für die Nahrungssuche sind Gebiete mit nur kurzer oder überhaupt spärlicher Vegetation. In Mitteleuropa kommt er bevorzugt in extensiv genutzten Obst- und Weinbaugebieten sowie in Gegenden mit Weidetierhaltung vor. Im Mittelmeergebiet lebt er häufig in Olivenkulturen sowie in Korkeichenbeständen. Man findet den Wiedehopf im Süden aber auch in Stein- und Geröllfluren oder in weitgehend baumlosen Steppenlandschaften. Der Wiedehopf ist ein Meister in der Nutzung  von - oft ungewöhnlichen - Nistplätzen. So brütet er z. B. unter Steinhaufen, in Weingartenhütten, in alten Baumstämmen und nimmt gerne Angebote von künstlichen Nisthilfen an. Der Wiedehopf ist ein Bewohner tieferer Lagen, doch gibt es in Mitteleuropa auch Brutvorkommen innerhalb der Alpen.

Verbreitung

Global und national

Der Wiedehopf besiedelt in mehreren Unterarten ein weites Areal in der südlichen und westlichen Paläarktis, in Afrika und Madagaskar sowie in der Orientalischen Region, nach Norden hin reichen seine Vorkommen bis an den Südrand der borealen Zone. In Europa fehlt er aber bereits weitgehend in den vom atlantischen Klima beeinflussten Gebieten Westeuropas. Das Brutgebiet der Nominatform erstrecktt sich von den Kanarischen Inseln und Madeira ostwärts über das gesamte Europa (mit Ausnahme des Nordwesten und Nordens bis östlich des Ob und südöstlich über den gesamten Nahen und Mittleren Osten bis nach Nordwestindien. Im Süden besiedelt diese Unterart weite Teile Nordwestafrikas sowie einige Oasen in der zentralen Sahara. Weitere Unterarten besiedeln das zentrale Eurasien, Nordostafrika sowie Südasien. In Afrika kommen weitere vier Arten oder Unterarten der Gattung Upupa vor, die alle bis vor kurzem als Unterarten des Wiedehopfs galten.

Wanderungen

Die Nominatform des Wiedehopfs ist in beinahe dem gesamten Verbreitungsgebiet Zugvogel, die Winterquartiere liegen im Savannengürtel südlich der Sahara. Die Vögel in Südwesteuropa überwintern im Brutgebiet. In Mitteleuropa beginnt der Abzug bereits Ende Juli mit einem Wegzugsgipfel Mitte August. Wiedehopfe ziehen meistens einzeln und während der Nachtstunden. Die ersten Ankömmlinge erreichen ihre europäischen Brutplätze Mitte März, im letzten Aprildrittel sind die Brutplätze in der Regel besetzt.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

R. Zimmermann beschrieb den Wiedehopf in den frühen 1940er Jahren als spärlichen Brutvogel und zählte am Ostufer von Illmitz bis Podersdorf in den extrem nasskalten Jahren 1941 - 1942 etwa fünf besetzte Reviere. Zehn Jahre später wurde der Wiedehopf als ein „in den Gehölze, Hutweiden und Dorfränder am Ostufer des Sees häufiger und verbreiteter Brutvogel“ eingestuft und die starke Zunahme gegenüber den 1940er Jahren mit einer trockenwarmen Klimaperiode erklärt. Dieses Hoch hielt im heutigen Nationalparkgebiet bis in die 1980er Jahre an. Die Kernzone des Brutgebietes am Ostufer bildete zu dieser Zeit der weitgehend geschlossen besiedelte Seedamm und das angrenzende Lackengebiet von Podersdorf bis südlich von Apetlon. 1986 konnten bei einer annähernd flächendeckenden Erhebung durch systematische Nistkastenkontrollen im Bereich Illmitz - Podersdorf 30 Brutpaare festgestellt werden. Der Gesamtbestand im Seewinkel dürfte zu dieser Zeit bei etwa 50 besetzten Revieren gelegen sein. In den 1990er Jahren erfolgte ein Rückgang um mindestens 70 %, der in erster Linie auf landwirtschaftliche Nutzungsänderungen zurückzuführen ist. Untersuchungen zum Bruterfolg in den Jahren 1961 - 1991 konnten jedoch keine Abnahme der Reproduktion in diesem Zeitraum nachweisen.

2002 wurden auf  37 km² am Ostufer des Neusiedler Sees nur mehr neun Reviere erfasst, 2004 wurden in demselben Gebiet 12 Reviere gezählt, 2005 waren es 14.

Aktuelle Erhebungen

Erhebungen im Jahr 2006 im Seewinkel auf derselben Fläche wie 2002 - 2005 ergaben einen Bestand von 14 Brutpaaren und zusätzlich sechs unverpaarte Männchen, sogenannte „Floater“. Der Gesamtbestand am Westufer des Neusiedler Sees wurde für 2006 auf 20 - 25 Reviere geschätzt. Für das gesamte Neusiedler See-Gebiet ergab sich damals ein Brutbestand von 45 - 55 Revieren. In den Jahren 2007 - 2010 nahm dann der Bestand in der oben erwähnten Monitoring-Fläche am Ostufer des Sees von 16 - 20 auf 27 - 29 Reviere zu, weitere Untersuchungen von 2011 - 2014 zeigen einen stabilen bis leicht zunehmenden Bestand mit 30 - 33 Revieren im Jahr 2014 und einem Gipfel von 40 - 45 Revieren im Jahr 2012.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt eines der wichtigsten Brutgebiete des Wiedehopfes in Österreich; rund 10 % des österreichischen Bestandes kommen hier vor.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Zu Beginn der Brutzeit, wenn die Männchen sehr rufaktiv sind, ist wohl die beste Zeit diese sonst sehr heimlich und versteckt lebenden Vögel zu entdecken. Danach sind sie erst wieder auffällig, wenn die Jungen gefüttert werden. Wiedehöpfe können dann überall im Brutrevier auf günstigen, sehr kurzrasigen Nahrungsflächen herumstochernd, oder plötzlich auffliegend, quasi aus dem Nichts auftauchen. Es empfiehlt sich, aufmerksam den Seedamm entlang zu gehen; gut zu beobachten sind sie z. B. zwischen Podersdorf und Illmitz.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Der wahrscheinlich durch die Intensivierung des Weinbaus in den 1970er und 1980er Jahren verursachte Rückgang hat sich ab den frühen 1990er Jahren aufgrund der gebietsweisen Extensivierung der Landwirtschaft nach dem EU-Beitritt und der Gründung des Nationalparks wieder umgekehrt. Derzeit sind im Neusiedler See Gebiet keine auf eine Lebensraumverschlechterung zurückzuführenden Gefährdungsfaktoren erkennbar.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak M. (1988): Verbreitung und Bestand des Wiedehopfs (Upupa epops) im Neusiedler See-Gebiet. Biol. Station Neusiedler See, BFB-Bericht 66: 33-37.

Grüll A., J. Groß & J. Steiner (2007): Rufaktivität, Revierverhalten und Polygynie beim Wiedehopf Upupa epops im Neusiedler See- Gebiet, Österreich. Vogelwelt 128: 67-78.

Grüll A., J. Groß & J. Steiner (2008): Verbreitung, Bestand und Bruterfolg des Wiedehopfes, Upupa epops Linnaeus 1758, im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Egretta 49: 6-18.

Grüll, A., E. Karner-Ranner, J. Groß (2014): Verbreitung, Population und Bruthabitate des Wiedehopfes, Upupa epops (Linnaeus 1758) im Burgenland von 1981 bis 2010. Egretta 53: 42- 63

Karner-Ranner E., A. Grüll & A. Ranner (2007): Monitoring von Kulturlandvögeln im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel als Grundlage für Managementmaßnahmen. Egretta 49: 19–34.

Steiner J., R. Triebl & A. Grüll (2003): Bruterfolg und Ansiedlungsentfernung beim Wiedehopf (Upupa epops) im Neusiedler See-Gebiet 1961-1991. Egretta 46, 136-146.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.