Wiesenweihe

Circus pygargus

Die Wiesenweihe ist die kleinste und zierlichste der bei uns vorkommenden Weihen. Als Langstreckenzieher überwintert sie in Afrika südlich der Sahara bis nach Südafrika und trifft im April bei uns ein. Mit 3 bis 5 Brutpaaren gilt die Art im Neusiedler See Gebiet als sehr seltener Brutvogel, das Vorkommen ist aber als eine von wenigen regelmäßig besetzten Brutgebieten in Österreich dennoch von Bedeutung, da die Art insgesamt durch Lebensraumverlust europaweit drastische Rückgänge hinnehmen musste. Die besten Beobachtungsmöglichkeiten bestehen in der Nationalpark Bewahrungszone Hanság, wo die Art geeignete Bruthabitate – offene, feuchte bis trockene Wiesenbereiche – vorfindet.

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Merkmale

Die Wiesenweihe ist die kleinste und zierlichste unter den bei uns vorkommenden Weihen. Im Gegensatz zur ähnlich gefärbten Kornweihe sind ihre Flügel deutlich schmäler, wodurch der Schwanz länger wirkt. Die Oberseite des Männchens ist dunkelgrau. Brust und Vorderbauch sind grau. Die männliche Wiesenweihe kann von der Kornweihe durch die schwarze Flügelbinde, die von oben und von unten sichtbar ist, unterschieden werden. Die Flügeldecken weisen auf der Unterseite eine kastanienbraune Querbänderung auf. Die Weibchen sind sehr ähnlich der Kornweihe, aber vor allem durch ihre viel zierlichere und grazilere, fast möwenartige Gestalt und Flugweise von der Kornweihe unterscheidbar. Jungvögel sind den Weibchen ähnlich, aber auf der Unterseite auffällig rostrot gefärbt.

Lebensräume

Die Wiesenweihe besiedelt offene Landschaften, wie Steppengebiete, Moore und auch Agrarlandschaften. Sie bevorzugt eher feuchte Habitate, wie Flusstäler, Verlandungszonen oder Moore. In den letzten Jahrzehnten kam es in einigen der Brutgebiete zu einem Wechsel von natürlichen Grünlandgebieten zu Kulturland, besondere nahmen Bruten in Getreidefeldern deutlich zu. Die aus dem Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel bekannten Brutplätze liegen im Bereich von verlandeten Lacken, in der Verlandungsvegetation am Rand des Sees sowie in ausgedehnten feuchten Brachen und Mähwiesen.

Verbreitung

Global und national

Das Areal der Wiesenweihe ist auf den Südwestteil der Paläarktis beschränkt. Das Brutgebiet beginnt im Westen in Marokko und auf der Iberischen Halbinsel und erstreckt sich über West‐, Mittel‐ und Osteuropa östlich bis nach Kasachstan und Kirgistan und von hier noch weiter östlich. In Europa ist die Art von Spanien, Frankreich und Italien bis nach Ungarn, Rumänien und Nordgriechenland verbreitet. Im Norden erstreckt sich das Brutareal bis nach Dänemark, wobei es sehr kleine, isolierte Vorkommen in Schweden und England gibt. Die bedeutendsten Populationen sind in Russland (20.000 ‐ 35.000 Brutpaare), Spanien (ca. 5.000), Weißrussland (3.000 ‐ 5.000) und Frankreich (3.900  ‐ 5.100) zu finden. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 35.000 ‐ 65.000 Brutpaare geschätzt.

Wanderungen

Die Wiesenweihe ist ein typischer Langstreckenzieher, europäische Brutvögel verbringen gut acht Monate des Jahres auf dem Zug bzw. in ihren afrikanischen Winterquartieren. Detaillierte Informationen zu Zugrouten, Rast‐ und Überwinterungsgebieten wurden in den letzten Jahren ab 2005 mittels Satellitentelemetrie an deutschen, holländischen, dänischen und polnischen Brutvögeln erhoben. Der Großteil von 20 in den Niederlanden, Deutschland und Dänemark markierten Wiesenweihen zogen auf dem Herbst‐ und Frühjahrszug über eine westliche Route, über Frankreich/Spanien, in ihre Winterquartiere bzw. Brutgebiete, der Rest über eine zentrale Route, über Italien und Sardinien. Die osteuropäischen Brutvögel nutzen hingegen im Herbst und Frühjahr unterschiedliche Routen: Die Herbstzugrouten in Ostpolen und im angrenzenden Weißrussland markierter Wiesenweihen verliefen über Griechenland/Kreta, die Heimzugrouten über Sardinien/Italien. Europäische Brutvögel überwintern in Westafrika, bevorzugt in der Sahel‐Zone. Ihr Überwinterungsgebiet erstreckt sich vom Senegal bis in den westlichen Tschad. Der Frühjahrszug setzt im Neusiedler See Gebiet Mitte April ein. Im Herbst dürften die Brutvögel bereits im Verlauf des August abziehen, im September scheint es dann einen kaum merklichen Herbstzug zu geben mit einzelnen Nachweisen noch im Oktober.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Die Wiesenweihe wurde in den frühen 1940er Jahren als Brutvogel im Seewinkel angetroffen und dürfte bereits damals in mehreren Paaren vorgekommen sein. In den frühen 1950er Jahren wurde sie am Westufer häufiger als im Seewinkel eingestuft. Für die 1960er Jahre wird die Wiesenweihe als regelmäßiger Brutvogel in recht schwankender Anzahl angegeben, der Schwerpunkt lag damals am landseitigen Rand des Schilfgürtels, im Seewinkel brüteten einzelne Paare auch an den Lacken. 1964 wurden zwei Paare bei Purbach, drei Paare bei Neusiedl und vier Paare am Ostufer des Sees erfasst.

Aktuelle Erhebungen

Seit den frühen 1980er Jahren sind im Neusiedler See Gebiet zwei regelmäßig besetzte Brutplätze bekannt: Auf den Zitzmannsdorfer Wiesen brüteten seit den 1980er Jahren fast jedes Jahr 1 - 2 (3) Paare (Archiv BirdLife Österreich). Ein zweiter, bis ins Jahr 2001 regelmäßig besetzter Brutplatz waren die Pfarrwiesen östlich der Ortschaft llmitz. Ein Brutvorkommen war hier seit 1981 bekannt, in den meisten Jahren bis 2000 brüteten hier zwei Paare. Zusätzlich besteht auch im Hanság ein seit mehreren Jahrzehnten bekanntes Vorkommen, dass in den 1990er und 2000er Jahren 2 - 3 Paare, zuletzt zumeist zwei, 2014 aber drei Brutpaare umfasste.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt mit dem nordöstlichen Waldviertel, dem unteren Kamptal und dem Hanság, das am regelmäßigsten besetzte Brutvorkommen in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Der einzige verlässliche Platz im Nationalpark, um Wiesenweihen zu beobachten ist der Hanság, wo Sichtungen vor allem vom Hochstand an der Tadtener Dammstraße von Mai bis Juli sehr wahrscheinlich sind.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die derzeit stärkste Gefährdung der Wiesenweihe geht von Änderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung aus. Da auch in Österreich ein Großteil des Bestandes auf Agrarflächen, insbesondere Getreideflächen brütet, ist das auch der wichtigste Gefährdungsfaktor für die heimische Population. Auch die immer noch stattfindende Trockenlegung von Feuchtflächen und die Intensivierung von Feucht- und Streuwiesen und anderen Niedermoorflächen führen kleinräumig nach wie vor zu Verlusten von wichtigen natürlichen Lebensräumen. Für Ackerbrüter stellt schließlich die Getreideernte einen maßgeblichen direkten Gefährdungsfaktor für die Jungvögel dar.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.